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Tobsuchtsanfall im Reformhaus!



... eine wunderbare Lesefrucht aus Thomas Kapielskis Werk "Sämtliche Gottesbeweise", Lizenzausgabe für 2001, Frankfurt / Main 2009, S. 25



Ich konnte am Veilchendienstag auf dem Kalker Veedelszoch für eine halbe Stunde mein Kostüm ausführen, das ich ursprünglich am Karnevalssamstag tragen wollte. Immerhin. War indifferent: "OK. – du gehst als Mönch. Entweder als guter Mönch von Sezuan oder als Mönch Engladbach. Toleranzfrage beachten!" Wie immer. Ich ließ den BMG-Schal dann unter der Kutte und das Kreuz darüber. Der Zug war eher bedrückend, meinungsstark formuliert: Ich war schon auf Beerdingungen in Mittelhessen, die lustiger waren. Oder wie es ein dem Zug beiwohnendes Kind, neun Jahre alt, sehr klug ausdrückte: "Weißt Du was, Mama, der Zug war gar nicht so schön!" Damit nicht genug – es fand auch noch ein Versuch einer „bösen Macht“ statt, Kinder mit Lockmitteln auf den falschen Pfad zu bringen. Wenn man als Rheinländer jedoch weiß, dass beim Umzug häufig das geworfen wird, was dringend weg muss oder ohnehin niemand mehr gebrauchen kann, ja dann relativiert sich mein Entsetzen wieder. Aber im überschaubaren Rahmen. Der Schoß ist fruchtbar noch...

 

Am Aschermittwoch war dann aber eben nicht alles vorbei, sondern Charles Tyrwhitt rettete mein Leben und versüßte den Beginn der Fastenzeit. Dort hat man sicher den Chefschreiber von manufactum abgeworben, denn deren Produktprosa ist ein Traum in Acryl! Es ist Lyrik, bei der einem warm ums Herz wird... Zum aktuellen Trend-Thema "Bengal Streifen" - formuliert der aktuelle Katalog: "Die schmalen Streifen und bunten Farben dieser Hemden teilen aller Welt mit, dass Sie ein schicker Geschäftsmann sind, der aber auch Spaß versteht." Roberto Blanco lässt grüßen! Donnerstagmorgen ging es direkt schon wieder mit dem Spaßverstehen weiter. In meinem Besserverdienendenviertel Kalk, als ich vor der Arbeit noch schnell für Treber "falsche Hummerkotze" und Hochglanzautomobilprospekte auslegte, betrete ich angsterfüllt den U-Bahn-Tunnel. Denn bald kommt die Flut. Als ich noch über das Kölner U-Bahn-Desaster nachdachte, ging mich eine Dame, Ende 50, verwahrlost, es war 7.08 Uhr, sofort an: "Heb' die Füße hoch, Du Dreckschwein, Du verstehst mich ganz genau!" Dann drehte sie sich seelenruhig eine Tüte, die einen BTM-Verstoß darstellte. Leider konnte ich mein geplantes Gespräch mit ihr über Steueroptimierungsmodelle nicht mehr beginnen.

 

Am Abend wohnte ich einer Veranstaltung bei, bei der es unter anderem um "Kreativitätstechniken" ging. Neben Vorschlägen wie "Nehmen Sie einmal bewusst einen anderen Weg zur Arbeit!" oder "Kaufen Sie einmal im Monat ein Produkt, das Sie noch nie gekauft haben!", war eine Anregung, man solle den Tag damit beginnen, alles mit der Hand zu tun, die nicht die "gute Hand" ist: Zähneputzen, Rasieren, Kaffeetrinken. Nachdem ich mich also mit links rasiert hatte und recht schnell in der Notaufnahme dran kam, wusste ich, dass für meine Zwecke der Erwerb eines Produktes, das man noch nie gekauft hatte, deutlich ungefährlicher sein wird. Und da ich diesmal wie seit fünf Jahren wieder "qualitatives Fasten" betreibe, fällt mir das leicht, da ich mich ja auch wieder in der Tofuersatzproduktszene rumtreibe. Da kann ich für das ganze Jahr kreativ einkaufen. Der Nikotinverzicht wird - ebenfalls wie seit fünf Jahren - nach anderthalb Tagen abgebrochen. Dann shoute ich zwei "Ave Maria" und mein kulturkatholisches Befinden ist wieder im Lot. Ansonsten: Häufiges Fremdeln beim Blick in den eigenen Einkaufswagen. Und ab Ostern dann wieder...

 

BUTTERCREMEPIZZABIER an AHLER WORSCHDT!

 

Dem selbstgewählten Comment entsprechend eben ein zuckerfreies Bonbon - mit "Kiefer" veredelt - eingenommen. Inhäusige Resonanz: "Du riechst so nach Badewasser." Dies rechtfertigt jedoch keinen Tobsuchtsanfall im Reformhaus. Enden möchte ich mit einem Satz, den ich schon immer einmal veröffentlichen wollte und zwar mit Punkt und Komma: "Curling ist das Cricket der arbeitenden Klasse.,"

 

Fasten your seat-belts, Euer Streikbrecher Schomberg