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Ralf Bummi Bursy (II)

 

Er dachte daran, wie er bei Fachidioten oder Ausschweifern („Hihi, wirklich sehr spannend Ihr Projekt, als Sie in Villingen-Schwenningen die Kameralistik auf Doppik umgestellt haben – hören’se mal, zwei Dinge: Nur ich schweife hier aus und nur ich stelle hier die Fragen!“) diese mit unerwarteten, manchmal sogar überraschenden Fragen aus der Auf-Schaukel-Ei holte: „Ich muss Sie kurz unterbrechen: Welche drei Personen des öffentlichen Lebens, egal ob lebendig oder tot, würden Sie eigentlich gerne mal zum Mittagessen einladen?

 

Ein Instandhalter-Bewerber aus Mittweida antwortete 2005 mal darauf - wie aus der Pistole geschossen - mit

 

Adolf Hitler

Josef Stalin

Pol Pot...

 

Uuuuups, ein Ehrwolf! Ehrliche Haut teuer verkauft. Bronco ließ sich auch da nichts anmerken und notierte: „Sehr authentischer Kandidat“. Währenddessen lief der Sehtest mit Ralf Bummi Bursy. Der Fachbereich zeigte dem Aspiranten schon die vierte Din-A-4-Sehtestkarte, normalerweise kam kaum einer erkennend über die dritte hinaus und Bursy sah einfach alles. Alles. Man muss fantastisch sehen und ein sehr gutes dreidimensionales Verständnis haben, um acht Stunden am Tag durchgesägte Waver unter einem Elektronenrastermikroskop auf physikalische Fehler zu untersuchen. Und man muss aus Stumpfhausen kommen. Und keine großen Abenteuer von seiner Arbeit erwarten.

 

Was sollte Bronco empfehlen?

 

Was sollte Bronco tun?

 

Wo ist die Barriere der Wahrheit?

Bronco thematisierte – platitüdisierend, aber vorsichtig - mit Herrn Bursy den Umzug von München nach Dresden („Die Strecke kann man ja nicht jeden Tag pendeln“, es folgte ein gekünsteltes Lachen), der Kandidat antwortete gelangweilt: „Klar muss ich umziehen. Na, hier gibt es doch tolle Programmkinos und Museen, dann such‘ ich mir was Nettes und bau‘ mir ein schönes Nestchen“. Das vierte Mal in knapp anderthalb Stunden, dass Bronco sprachlos war. Der Dr. Robert Hübner der Semiconductorszene guckte etwa gegen 20.00 Uhr in die Runde, sagte dann sehr deutlich: „So, wir müssen jetzt hier Schluss machen, ich habe noch Termine und muss mit den Regionalzügen zurück nach München, da hab‘ ich noch einige Stunden Zugfahrt vor mir, aber ich muss um 06.00 Uhr mit meiner Morgenschicht beginnen. Die Unterhaltung war sehr nett, ich hoffe, ich konnte Sie überzeugen, ich muss jetzt los. Pfiat Eich!

 

Der Kandidat, Leiharbeiter in der Münchner Zentrale, stand auf, gab jedem die Hand und wollte gehen, Bronco moderierte gedankenschnell ab, sein neuer Personalerkollege saß immer noch wortlos im Raum und murmelte erstmals etwas, ein halbverständliches „Auf Wiedersehen, hat mich sehr gefreut.“ Bronco brachte Herrn Bursy nach unten, fragte noch, ob er ein Taxi zum Bahnhof Neustadt bestellen solle, dies wurde verneint („Nee, ich fahr‘ mit der StraBa, ist günstiger für Sie“) und dann war er weg.

 

Bronco musste wieder in den Interviewraum. Er musste das Auswahlgespräch mit dem Kollegen und dem Hiring Manager nachbereiten. Was sollte er sagen? Was sollte er tun? Bursy war der absolut Richtige für den Job, nerdig genug und doch vielfältig interessiert, er konnte hervorragend räumlich sehen und ihm machte die angestrebte Tätigkeit Spaß (sic!). Auch dass er so streng roch, war kein Problem, denn er hatte ja kaum bis keinen Kollegenkontakt. Was sollte Bronco empfehlen?

 

Er öffnete die Tür, sein HR-Kollege saß immer noch bleich und wortlos in der Ecke und griff katatonisch zu einem Keks nach dem anderen. Der Teller war rasch leer. Der Fachbereich schaute ihn erwartungsfroh an. Was sollte Bronco tun?

 

Er sagte: „Also, Jupp, auch auf die Gefahr hin, dass Du mich jetzt für total geisteskrank hältst – wir müssen dem Jungen ein Angebot machen – der war total genial“. „Pfffffff, bin ich froh, dass DU das sagst, ich dachte schon, ich habe die Vollmeise. Nee, richtig, sofort morgen ein Angebot unterbreiten und die Betriebsratsanforderung starten – der Mann ist gekauft!“ Bronco lächelte, sein Kollege schaute mit weit aufgerissenen Augen erst auf Bronco, dann auf die Führungskraft, schüttelte den Kopf und verließ den Raum. Auch abends beim Essen sprach er recht wenig. Er scheiterte an der Barriere der Wahrheit.

 

-ENDE-

 

P.S.: Diese Geschichte hat sich natürlich nicht so zugetragen, das glaubt einem ja kein Mensch.

 

 

 

Hier geht es zum ersten Teil der Geschichte aus dem bekannten Textspielhaus, Euer Schomberg.