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Begegnungen und Gedanken im ICE... (V)



Ein Gedanke, der mir bei der heimlichen Aufnahme dieses Schauspiels im ICE Karl-Heinz Schwensen kam: Manchmal bin ich heilfroh, dass sich Gerüche nicht mit der Kamera aufnehmen lassen... Obwohl diese Innovation wirklich etwas für den Standort Deutschland wäre: Geruchspixel.


Es war ja in den letzten Monaten keine große Freude, Fernpendler zu sein. Und auf mehrfaches Insistieren und Nachfragen hat man dann doch geantwortet und schob - ums kurz zu machen - alles auf Petrus und Siemens. Aber jenseits des Ölsardinenambientes in einteiligen ICEs gibt es die Momente, in denen sich Deutschland und das Klassendenken dann doch wieder offenbart. Und alle Fragen, auch die letzten, auf einen Schlag geklärt werden.

 

*

 

Unlängst im ICE Andre Gide: Die bahn.confort-Plätze sind alle besetzt, zu drei Vierteln mit Menschen, die keinen Anspruch darauf zu scheinen haben (und dies durch hektische Blicke auf die Anzeigetafel und Unentspanntheit auch signalisieren), das ärgert mich, aber ich gebe da dann nicht den Aushilfsschaffner und Neckermann. Ich laufe weiter, bleibe zwischen Bordbistro und Toilette stehen und widme mich der Software für Snobs. Ein Schaffner bahnt sich den Weg durch den umgekehrt gereihten Zug, ich stehe eben im Gang, zeige die "BlackMamba" (Harald Schmidt), der Schaffner fragt:

 

"Warum stehen Sie hier?" Die Antwort "Weil ich es kann!", verkneife ich mir. Ich sage also: "Die Sitzplätze waren alle belegt!" "Aber doch nicht die bahn.confort-Plätze." "Eben schon." "Nee, die hat eben ein anderer BC-100-Kunde fortgescheucht!" "Danke, ich möchte dennoch gerne hier stehen bleiben." Muss sofort an Loriot denken: "Ich möchte einfach nur hier stehen sitzen."

 

AB-Fahrer-Deutschland. [schnitt] Das ZAG wusste mein Tun zu würdigen: "'Danke, ich möchte gerne hier stehen bleiben.'.... das ist ja fast schon wie martin luther auf dem reichstag zu worms! nicht, daß ihr verschmähten bc-100er noch ne eigene kirche aufmacht. 'heiko schomberg. der mensch, der sitzen wollte.'"

 

Und dazu fällt mir wiederum nur DER DIALOG in der Linie 17, unlängst am Niederhein ein: Ein Herr bietet einem anderen den Sitzplatz im Shuttlebus an: "Nehmense' ruhig Platz, ich hab' fünfzehn Monate gesessen!"

 

Genau das hätte ich Schaffnerboy sagen sollen.

 

*

 

Im ICE Lale Andersen sollte man sich bereithalten, den Sitzplatz freizugeben, weil die Reservierungsdiskette wieder einmal nicht mitgeliefert wurde. Aber im ICE 2 findet man immer genügend Platz, weil man diesen nicht nach Gutdünken als Einteiler fahren lassen kann...

Ausriss aus einem Schreiben, auf das ich telefonisch und per e-mail mehrfach insistierte

... Ansonsten ist es wie immer und schon in Ausgabe 187 beschrieben: [Ich] "summe gedankenverloren 'Zucker im Kaffee' vor mich hin, die anderen schauen schon, und da fällt mir lauwarm ein: Hans Blum gelang mit "Zucker im Kaffee" (Interpret: Eric Sylvester) auch der Einstieg in südamerikanische Hitlisten..... ein Könner und Macher!... 'und Zitrone oder Sahne in den Tee.... und im Herzen alle Tage lang amor, das ist wunderbar, Señor!'. Herrlich. Das war noch Unterhaltung. Eine wahre Sternstunde deutscher Musikunterhaltung. Nie wieder wurde kafkaeske Traurigkeit so in südländische, ja fast nordhessische Lebensbejahung gegossen. Im Frühwerk Salvatore Adamos ist vielleicht Vergleichbares zu finden.

 

*

 

Und dann war da ja auch noch die Nummer mit dem Telefonierer in der Ruhezone! Was wie ein Bandname einer Neunzigerjahre-Elektronikband deutscher Zunge klingt, ist schlicht und einfach ein Ärgernis im Fernreiseverkehr! Jeder kennt es, das Piktogramm mit dem auf den Mund gelegten Finger, das die Ruhezone ausweist. Man möchte im ICE Andreas Dorau noch ein wenig in Ruhe arbeiten oder sich so-called "Bücher" zuführen und dann brüllt ein Ignorant Zellhaufen Mensch ständig ins Mobiltelefon. Sich darüber zu mokieren oder einen Werteverfall anzuprangern, ist in etwa so sinnvoll, wie sich über die englischsprachigen Zugdurchsagen ("Zenk ju for träwweling wiff Deutsche Bahn") lustig zu machen.

 

Das Nichtbeachten der Ruhezone nervt einfach und stört, gerade weil man noch etwas arbeiten / lesen / schreiben / kontemplieren möchte und gerade deswegen die Ruhezone gebucht hat. Es stört. Und dann hat man wieder einmal den 200-Phon-Umweltverschmutzer vor sich sitzen und keinen Störsender bei sich:

 

Was tun? Höfliche Bitten, dies einzustellen, werden zumeist schnippisch beantwortet, geht man zu brachial und meinunsstark vor, hat es einen blogwartesken Beigeschmack. Doch nun hat der Praktikant eine Methode entwickelt, die bisher in hundert Prozent der Fälle (bei zwei Anwendungen: Dienstag im ICE 527 - Fertigstellung einer “Collection für Mailand” und gestern im ICE 729 “Angebotspräsentation”) funktionierte.

 

Ich ging freundlich zum Telefonierer, wartete ruhig eine Gesprächspause ab und fragte, betont freundlich:"'Tschuldigen Sie, darf ich ein Foto von Ihnen machen?" "Warum?" "Ach, das ist nur für meinen Blog ‘Menschen, die in der Ruhezone telefonieren!’"

 

Empörtes Kopfschütteln und weit aufgerissene Augen des Angesprochenen, ein gemurmeltes "Was soll denn das?" und doch: Danach hörte ich zeitnah ein recht kleinlautes “Du, ich muss Schluss machen!“, während ich zu meinem Sitzplatz zurücktrottete. Hat bis jetzt zweimal viermal sehr gut bei deutschen Muttersprachlern funktioniert.

 

Euch eine ruhige, schöne Woche, Euer Schomberg (saß NICHT neben Margot Käßmann - ich schwöre!)