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Sachsen VOR der Wahl



Worte, die wir nicht mehr hören möchten: "Wenn Wahlen was ändern würden, wären sie eh verboten!" "Die da oben machen ja doch was sie wollen!" "Die Kleinen hängt man und die Grossen lässt man laufen!" "Mit uns kann man es ja machen!" "Einmal Pizza ohne Käse!" "Die Politiker stecken sich ja eh die Taschen voll!" "Denen da oben muss es mal einer zeigen!" "Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr!" "Der Krug geht so lange zum Brunnen bis er bricht!" "Spare in der Zeit, dann hast Du in der Not!" "Hartz IV!" "Nach der Wahl ist vor der Wahl!" "Elf Freunde sollt ihr sein!" "Dabei sein ist alles!" "Dieter Bohlen!"


 

In den letzten Tagen ist sehr viel über die bevorstehende Landtagswahl in Sachsen geschrieben und gesprochen wurden. Es wurden Horroszenarien entwickelt und aufgezeigt, Fernsehteams waren da, Wähler (iSv "Wahlberechtigte") durften ungefiltert und bar jeglichen Demokratieführerscheins ihre "Weisheiten" in Richtmikrophone gurgeln, es steht zu befürchten, dass Extremisten von rechts und links ins Parlament einziehen und ob des Bildungsauftrages von "Schombergs Welt" komme ich nicht umhin, mich ebenfalls der Stimmung in Sachsen vor der Wahl zu widmen, die Gemengelage einzufangen, sie zu beleuchten + "kritisch widerzugeben".

 

Ich versuche also die Gemütslage im Sachsenlande zu ergründen, ich empfinde mich als Feldforscher im Selbstversuch. Die erste Station des Freilandversuches beginnt am Freitag, dem 18. September 2004 um 19.00 Uhr, Rudolf-Harbig-Stadion: Ich wähle mein erstes Dynamospiel. Eine Handlungsanleitung erhielt ich von dem - was Fussballsachthemen angeht betont zurückhaltenden - Stadionintellektuellen CAFH:

 

"ich beneide dich!!! aber paß auf dich auf! ich kenne dein loses mundwerk, und du solltest nicht damit rechnen, daß dynamo-fans die subtilitäten der schombergschen ironie zu schätzen wissen... freue mich sehr auf den bericht!"

 

Sicherheitsvorkehrungen für das Spiel am Freitag habe ich schon getroffen und mir von einer Kollegin aus Glashütte einen Dynamoschal geliehen. Obwohl ich natürlich im SPAR-Markt um die Ecke einen Dynamoschal für 13 Taler bekommen hätte, sogar einen Dynamo-FC Liverpool ("Tradition verbindet!")-Schal, den man so hätte binden können, dass man am Niederrhein den gelben Anhang nicht sieht ;-) Warum wählte ich die Option des Leihschals und des Fanblocks "K"? Na, damit man mich nicht für einen Auswärtsfan in inkognito hält... gerade weil das unlängst stattgefundene DFB-Pokalspiel zwischen Dynamo und dem KSC (1:2) nicht gerade, ähem, "unproblematisch" war... worauf CAFH entgegenete

 

"das beruhigt mich. jetzt muß dir besagte backofficekraft nur noch nen maulkorb leihen, und ich wäre wirklich beruhigt."

 

Tja, dann sind wohl diesmal keine semidadaistischen Sprechchöre á la „Wir sind Milzbrand – wir sind Milzbrand – niemand mag uns – Drissejal!“, „Wir sind die kühlen Jungs aus der Rheinprovinz – zwanzig Halbe sind’s, zwanzig Halbe sind’s!“ und „Strauch-, Strauch-, Strauchdiebe!“ drin. Der Mensch will überleben.

Die Wahlhelferin sagt, "Hier, der Schal, er lag länger im Auto, ist etwas ausgebleicht  und müffelt ein wenig!", ich entgegne  "Kein Problem, ich gehe zum Fussball - nicht in die Oper! Warte mal, wie der nach dem Spiel riecht..." Hmmh irgendwie bin ich heute wieder ungut auf der Welle der "katholischen Soziallehre" unterwegs... und das in Bälde im Fanblock K...

Hier im Rudolf-Harbig-Stadion hätte ich ja die Wahl zwischen einem Platz im Gästeblock der Badener (für den Dangerseeker mit dem Propellerhütchen auf dem Kopf) oder einem Platz im Dynamofanblock. Das jedoch bedeutet neunzig Minuten den Mund zu halten - nahezu unvorstellbar. Aber mein rheinisch-hessischer Wossi-Dialekt, kerlekerlekerle do! könnte mich durchaus in die Bredouille bringen. Ich hab' die Wahl ;-)

 

Um meinen Wahlselbstversuch fortzusetzen, gebe ich mich vorher ganz der Empirie hin und suche den BurgerKing am Bahnhof Neustadt auf: Die Dame hinter der Theke setzt ihr perfektes Dienstleisterlächeln auf und begrüsst mich mit "Guuuuuddie, was kann ich für sie tun?"

 

Ich habe die Wahl und nehme meine Burgerrechte wahr:

"Guten Tag, zweimal Chili-Cheese Burger, einmal Grilled Chicken Delight Wrap mit Mayo und Zwiebelringe mit Sour Cream". "Wollen Sie nicht lieber ein Menu?" "Nein, nein, nein - ich will dass mir schlecht wird. Und hinterher bitte einen Becher von diesem giftgrünen Eisgebräu, dessen Namen ich immer vergesse und der genauso miserabel wie die Slush Puppies aus den frühen Achtzigern schmeckt!" "Guddie!" Ich habe schliesslich die Wahl, dass mir ganz furch'bar übel wird. Manchmal haben die anderen Fluggäste KEINE Wahl, wenn ich mir am Flughafen in Klotzsche (Humorverbrechen zweieinhalb: "Man, hast Du einen an der Klotzsche!") zwei Chili-Cheese Burger vor dem Flug reintue...  das bedeutet Turbulenzen und Luftverwirbelungen innerhalb und ausserhalb des Fliegers, ihr Fussgänger! Aber, schickihey, was solls: Das ist gelebte Demokratie! Eines ist mir bei jedem Aufenthalt am Flughafen klar geworden: Die Welt kann unheimlich einfach und unkompliziert sein, wenn man sie als Prozess darstellt.

Hier im "postotalitären Sonderterritorium" hat man auch die Entscheidung, die Wahl quasi, welchen „starken deutschsprachigen Indie-Pop“ (ein Wort wie ein Kinnhaken!) man hört. Soll es nun „Virginia jetzt!“ aus Elsterwerda sein, „Etwas“ aus Leipzig, die neubrandenburger Unterhaltungskapelle „Mohnblau“ oder die überregional bekannten „Silbermond“ aus Bautzen? Vielleicht auch „Solche“ aus Chemnitz, „Mondglanz“ aus Halle / Saale oder „Eiszeitklub“ aus Annaberg bei Dresden?!?! Und wer der Wahlberechtigten will eigentlich wissen, dass „Eiszeitklub“ früher „Peppy Jones“ hiess?! Wer weiss das schon! "Ich bin immer so." "Ihre Krawatte brennt!"

 

 

Was zur Hölle bedeutet "Ihre Krawatte brennt?" (Schomberg, unbelesener und künstlerische Filme verweigernder Wahlburger!)