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"Wasabierbsen sind auch Carazza!" (Essen & Lesen)



"Toilettenliteratur 2004/2005" (Bitmap auf Massenspeicher, 2005). Oder wie Egmont, Prince de Mayence es ausdrücken würde: "Sehr gut. Daneben sieht Joyce aus wie ein Waisenknabe. Joyce war Waisenknabe."


So, endlich wieder lesen und essen, wozu man Lust hat. Vor allem wieder lesen, was Freude bereitet und nicht nur die eigenen Machwerke, damit man beim Vorlesen nicht rumstümpert wie ein I-Dötzchen, das einen unbekannten Dietmar Dath-Text vortragen soll. Es hat alles funktioniert:

 

Der Kalker Kaffee VI, zum ersten Mal im semiöffentlichen Raum durchgeführt, war ein voller Erfolg; und nicht nur WIR, neenee, auch das Auditorium war sehr angetan. Haben sie zumindest nach der Veranstaltung alle behauptet. Uff, das war schon 'ne gewisse Anspannung im Vorfeld, aber wir waren alle, hüstel, performand. ;-) Und sogar die Besucher von außerhalb (Düsseldorf, Sülz) waren angetan.

 

Es ist ja immer so 'ne Sache im Spannungsfeld zwischen Selbst- und Fremdwahrnehmung, aber alle waren sehr begeistert, man lobte die große Bandbreite der Texte, von der Kriminalgeschichte in szenischer Lesung bis zum sehr nachdenklichen Text "Das Geständnis", über bleierne Schwere der Achtziger von einem Zeitzeugen ("Anhedonie") und einem getanzten Stück (das mich weniger in Hysterie versetzte als in Vorfeld erwartet), bis hin zum Knaller "Wie ich an einem Freitagabend meine fußballerische Unschuld verlor....". Nach der selbst auferlegten Politikabsenz muss ich halt "schwierigere" Inhalte in vermeintlich lustige Texte einschmuggeln... wie in "Flugschreiber Kalk" geschehen...

 

 

 

(....) Ich flaniere über die Kalker Hauptstraße, mir kommt eine Mädchenclique entgegen (Sagt man heute noch "Clique"? Na, die Girls halt alle so unter 20 Jahren) und ein Mädel in einer Burka zeigt mit dem Finger auf mich und ruft laut, kreischig an, Gülcan erinnernd:

 

"Ey, guck' mal da, Elvis! Krass, wie kann man denn heute so aussehen! Der Otto, ey!"

 

Die Freundinnen gackern. Mir ist das Verhalten jedoch völlig schleierhaft!

 

Ich gehe verstört weiter.

 

 

 

 

Beim nächsten Mal liefere ich aber wieder knallharten Kunstkram! Ich habe einfach zu "gefällige Texte" gelesen. Zuviel hallervorden'scher "gespielter Witz", zu wenig kognitive Dissonanz. Gefällig. Ich sollte mich deutlicher auf gefilterte Beobachtung kaprizieren. Denn, "Ballermann ist eigentlich nicht das Niveau, dass wir uns für Kalk vorstellen." (Markus Thiele, der Vorsitzende des Bürgervereins Kalk)

 

Immerhin: Wir hatten viel Freude, das geladene Publikum auch und wir fuhren - all-in - nur einen Verlust von EURO 13,22,- ein. Wenn es uns für den Kalker Kaffee VII gelingt, noch solider zu planen, dann können wir Vor-Leser und -Tänzer das nächste Mal vielleicht sogar Freibier trinken. Á propos: Eine tolle Miniatur erlebten Ernesto und ich dann noch bei der Getränkeabholung im Bierverlag Dursty. Ich frage nach dem vorbereiteten Material, das gekühlt werden sollte, stehe an der Kasse, um zu bezahlen, neben mir taucht eine ältere Kundin auf, die in ihrem Leben durchaus schon mal ein Glas Bier Kölsch getrunken hat und es entspinnt sich mit dem Verleger folgender Dialog: "So, ich habe alles vorbereitet, sie haben doch aus der verbotenen Stadt angerufen, oder? Alt haben wir ihnen aber nicht eingepackt." Ich denke kurz nach, in Peking war ich nicht, ach ja, ich rief doch aus Düsseldorf an, nehme die Vorlage als guter Dangerseeker dankbar auf und führe aus: "Tja, wenn's nur das wäre: Ich arbeite in Düsseldorf, ich wohne in Köln und bin gebürtiger Mönchengladbacher." Der Bierverleger schaut mitleidig, die Dame neben mir sagt: "Aua. Da kriescht man ja Zahnschmerze' von, do!, wenn man das hört, Jong!"

 

"Der Feinschmecker zieht Qualität und Feinheit der Quantität entschieden vor. Wer sich für unterernährt hält, sollte lieber eine Schlachtplatte mit Erbsbrei, Sauerkohl und Kartoffeln im Volksrestaurant essen." (S. 46, aus Klaus Besser, "Die Hohe Schule des Geniessens. Der Ratgeber für Gourmets", Ullstein 1986)

 

Diese Kochblogs sind einfach großartig, zum Beispiel wenn es um HESSENTAPAS geht. Diese neue Lektüre rief das ZAG mitteilungsstark auf den Plan, es schrieb: "mein gott, du liest kochblogs, ich lese cricketblogs, ich möchte mal wissen, was für psychische schäden die anderen menschen da draußen so haben..."

 

Ich lungere ja in letzter Zeit häufiger auf "Foodblogs" rum (liebe Geburtshessen: Nicht zu verwechseln mit "Futtblocks") und da habe ich derzeit einen Favoriten, der sich nicht zuletzt mit dem Photo einer total verkohlten Pizza in mein Herz bloggte. Wie wird das Wort "bloggen" eigentlich korrekt gelehnt?? Und aus dem Hintergrund müßte Klaustao rufen, er ruft: "Esst bitte diese radioaktiven Erbsen auf." Wasabierbsen als Mitbringsel zum entscheidenden Gruppenspiel der EURO 2008. Warum erwähne ich das überhaupt? Nun ja, das Wort "Wasabierbsen" sieht einfach lustig aus, wenn man drauf schaut.... finde ich zumindest... aber ich bin ja auch einfach zu belustigen!

 

Nachdem die Premiere vorbei ist, kann ich wieder aus Spaß lesen, was ich unlängst im ICE Arwed Imiela auch tat. Auf dem Teller lag das Stück "1984 wie es wirklich war am Beispiel Knokke" in Martin Kippenbergers "Wie es wirklich war. Am Beispiel Lyrik und Prosa", herausgegeben von Diedrich Diedrichsen. Nicht nur, dass ich bei der Lektüre (38 Seiten, eine Zugfahrt, schön, wunderbar, meine Welt, altbackene Pensionszimmer, schlechte Restaurants, morbider Chic) über verrücktes Konzept nachdachte, nämlich meinen Kurztext "Rolf (Ein deutsches Schicksal)" aus dem Jahr 1996 von einem befreundeten Psychologen beim KK7 tanzen zu lassen, nein, ich muß dieses Strandbad einmal besuchen und in Kippis Spuren im Sand wandern. Wenn mir die Spuren dann noch passen: Ich sitze an einem Platz, an dem mich das handschriftliche Schild mahnt, "Hilfe! Ich glaube, daß (falsch mit Esszett geschrieben) Büro ist verhext. Meine Füße sind größer geworden…. Ich habe Angst vor Schuhgröße 70, Heiko"... ja, das sind doch die unbequemen Wahrheiten, auf die die Welt wartet, meine Damen und Herren!

 

Rettet-das-Mittagessen = wun-der-bar! Ich kann mich noch an den kleinen Dingen erfreuen, man sieht eine Pizza Adrià (gut durch) in einem Blog und dann sind die Miniaturen im Kopf wieder da, denn es erinnert mich ein wenig an einen Corpsbruder, der, ich glaube, es war 1996, einmal versuchte, eine Scheibe SALAMI in der Mikrowelle zu, hüstel, desinfizieren, da er glaubte, sie könne ein wenig über dem Haltbarkeitsdatum gewesen sein! Ein vergleichbares Bild, nur kleiner, und der Kohlenstaub und der Geruch waren drei Wochen nicht aus der wunderbaren 50-er-Jahre-Küche des alten Corpshauses zu bekommen.

 

Es war meines Wissens aber auch Alkohol im Spiel. Doch eines ist klar: "Essen ist ein guter Weg, um Gemeinschaft und ein Gefühl für einen Ort zu schaffen." [SPON] Diese Grundhaltung kann man demnächst in meinem Kochbuch "Von der Kopierhilfe zum Topfperformer" nachlesen, dort heißt es dann in Kapitel II ("Nein, TOCOTRONIC, Jürgen Dollase.... hat mein Leben NICHT zerstört...."):

 

"Wie kam ich also zum Feinschmeckertum? Oder was ich dafür halte?

 

Über das Lesen! Handwerklich und kochtechnisch lange in der Spiegelei-Bratkartoffel-Fraktion verankert, wurde ich durch die regelmäßige Lektüre in den Feinschmeckersumpf gezogen.....

 

Seit vielen Jahren verfolge ich die Jürgen Dollase-Beiträge in der FAZ und dann der FAS.... und wollte mich der Szene behutsam nähern; nach einigen "lukullischen Erweckungserlebnissen" in Brüssel, dem Rheinland und Paris (die geschäftlich zustande kamen - kann sich ja kein Mensch leisten, die "verfeinerte Küche", dachte ich damals....), begann ich dann, schneller als geplant, tiefer einzusteigen. Und selber einzukaufen, zu montieren, auszuprobieren. Ich schlug das Buch "Ansichten eines Redundanzessers" vehement zu. Und dann las ich Dollases "Kulinarische Intelligenz“. Danach war ich vollends angefixt: aktiv / passiv. Ich kam also vom Papier zum Tisch zum Herd zum Tisch. Papier-Tisch-Herd-Tisch. So einfach kann es ein. Wie Fußball."

 

Und morgen geht es wieder los. ABSTIEGSKAMPF!!!! Alles ohne die "Girlandenmenschen"! Yeah, es rockt schon wieder. Borussia. Bücher. Gottesbeweise. Die Trias des Lebens.

 

Lest mehr Foodblogs! Lest! Von mir aus auch "Schombergs Welt", Cricket- oder Kübelpflanzenblogs, aber lest! Beste Grüße, Euer Schomberg.