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Im Reich des Schmerzes: Ein Samstag im IKEA! (II)

 

<cliffhanger> (...) Diesel für 4,19 EURO eingefüllt und den Wagen auf den Parkplatz von Hertz zurückgebracht. Alles hätte so schön sein können…</cliffhanger>

 

Wir hatten die Auswahl der Billy-Elemente also innerhalb einer Stunde hinter uns gebracht. Und waren nach einer weiteren Stunde wieder am Ausgangsort in Godorf, sauprivilegiert, IKEA-Elite, Jeunesse parkée, denn wir verfügten über einen Parkplatz; die Blechlawinen wälzten sich durch Südostköln, das kann doch noch nicht die Folge der Abwrackprämie gewesen sein, man lässt den Geist baumeln, schleifen, parkt den Sprinter, sammelt sich und dann sprach Frau Feynschliff die bösen, ja unmenschlichen Worte:

 

"Du hast eben so gehetzt! Jetzt nehmen wir uns ein bisschen Zeit...", ANGSTOMNIPRÄSENZ!!, "und schauen in Ruhe nach Kleinigkeiten". *Life’s a pigsty!

 

Die letzte Auffangstellung brach sofort zusammen, ich ergebe mich in mein Schicksal. „O.K., dann essen wir erstmal was“. Immer noch unglaubliche Menschenmassen. Und die Frage, warum Produkte, die ich favorisiere, nicht mehr en vogue sind oder aus dem Sortiment genommen werden: Billy-Eckregale, Treets, Anzugshosen mit Schmutzumschlag. Und immer noch hallen diese teuflischen Worte nach…: "in Ruhe nach Kleinigkeiten gucken". Anzugshosen mit Schmutzumschlag sind in der Mehrheitsmeinung wohl unsportlich, sie sind so aktuell wie das Rumhocken in verrauchten Hinterzimmern und Beschäftigung mit der Weltformel. Viele Sörens und Wiebkes unterwegs. Die überforderten Eltern lassen ihnen Auslauf. Aber auch Kinder, deren Namen „Chloe“ oder „Cheyenne“ sein dürfte. Wir schlagen uns zum Restaurant durch.

 

Auch hier: Trilliarden von Menschen. Ich habe Angst. Dolle Angst. Kopfkino: „Auch scheint mir die Rolle von Ingvar Kamprad nicht rückhaltlos geklärt, wie die gesamte Rolle Schwedens im Zweiten Weltkrieg. Aber da fragt ja heute niemand mehr nach“, das Gros der Einkaufenden (Korrektsprech) würde Schweden nicht erkennen, wenn es auf der Landkarte eingezeichnet und beschriftet wäre. Ein IKEA-Restaurant erscheint mir nicht als der angemesse Ort für Kulturkritik und Selbstreflektion.

 

Wir reihen uns in die Schlange ein, begutachten die Produkte und entscheiden uns gegen ein Elchragout und für ein gutbürgerliches Produkt, für die Alte Bundesrepublik: Rinderroulade. Finden auf Anhieb einen Platz ohne Logorhöe um uns herum und stellen fest: Das Essen ist überraschend gut, ich bin immer wieder fasziniert, wie man in Großküchen, in denen man für eine Fantastilliarde Besucher pro Tag kochen muss, eine solche Endqualität hinbekommt. Die hervorragende Roulade mit Salzkartoffeln und Rotkraut. Handwerklich und vom Geschmack und der Textur grundsolide, im angenehmsten Sinne gutbürgerlich. Das Fleisch zart, nicht übergart, die Füllung von den Aromen her sehr gut abgestimmt und Redundanzessers Zustimmung findend. Gehobene gutbürgerliche Qualität, die ich so nicht erwartet hätte. Pennt Dollase? Hier erwarte ich von ihm in der Kinder-FAZ mal eine Kritik zum IKEA-Essen, es kann doch nicht immer Subway oder McDonalds sein.

 

... auf dem Plattenteller:

 

Sibylle Duda und Luise F. Pusch: "Wahnsinnsfrauen", Bd. 3, Suhrkamp, 1. Aufl., Frankfurt / Main 1999

Ian Stewart: "„Flacherland. Die unglaubliche Reise der Vikki Line durch Raum und Zeit“, rororo, Reinbek b. Hamburg 2004

André de Guillaume: "Weltherrschaft für Anfänger. Das Handbuch für angehende Diktatoren", 1. Augl., Bergisch-Gladbach 2007

Sybil Gräfin Schönfeldt: "Feste und Partys. Feiern – ein Vergnügen." Mit 140 Fotos und Zeichnungen, Droemer Knaur, München und Zürich 1975

Einigermaßen gestärkt für das Kommende stellen wir unsere Tabletts weg und machen uns auf den, durch am Boden festgeklebte Signalstreifen vorgegeben und strikt einzuhaltenden, Weg. Es gibt eine Sache, die mir am IKEA gefällt: Es gibt keine Fahrstuhlkaufhausmusik im Ausstellungsbereich, ich ergötze mich wieder an hochpreisigen Billy-Kombinationen, Frau Feynschliff fordert mich zum Weitergehen auf… "Bitte gehen Sie weiter, es gibt nichts zu sehen…"

 

Ständig werden Kindernamen ausgerufen, Namen sind so eine Sache, ich kopfkonstruiere lustige Namen, kuriose Zusammenstellungen wie Ayse-Cherokee Koslowski oder Lolita Lodenkämper, diese sind ja immer für einen billigen Lacher gut, aber dann erfolgte eine Durchsage, die alle Witze wieder ins Land der Schalheit verwies. Die mehrfach wiederholte, ja schon fast flehende Durchsage – man wollte sie wohl nicht ins Ausbildungsprogramm aufnehmen - lautete: „Abgeholt werden aus dem Småland soll Trisha Troppel! Soll - nicht "möchte". Unfassbar. TRISHA TROPPEL. Trisha Troppel. Soll aus dem Kinderland abgeholt werden. Traumschön, einfach zu schön, um wahr zu sein. Nicht Mandy, Sandy, Nancy, Doreen, Chantalle, auch nicht Kevin-Jeromé (Schulrumzappeler, leidet an ADS und bekommt Ritalin) oder Tomke Finn-Leonard (Oberschichtkind und damit hochbegabt) Wortspiele aus der Humorverbrechen-Liga im Kopf, Claude Eckel / Chloe Deckel… angeregt durch eine am Wegesrand wahrgenommene WC-Bürste mit dem Namen... "Viren". VIREN. Ich finde das amüsant. Ist das erlaubt? Oder ist es, wie Bernd Begemann sang, falsch, denn: „Ich gefährde die neue Ordnung!“ Bin ICH falsch? WHD.! "Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar". (Ingeborg Bachmann). So sieht es doch aus!

 

Frau Feynschliff gnadenlos, ich trotte mit dem Einkaufswagen hinterher, versuche in Ecken und Produktausstellungsnischen zu parken, um den Strom nicht aufzuhalten. Oder die Neue Ordnung zu gefährden. Scheitere daran. Lerne neue Kraftausdrücke. Eine Stunde dreissig in der Hölle und noch kein einziges Regal aufgebaut.

 

Ich bin sehr froh, wenn in Bälde das zweite IKEA in Köln eröffnet wird. Nicht weil ich den diabolischen Möbeljungs jetzt mit Haut & Haaren verfallen bin, nee, ganz im Gegenteil: Falls ich mal wieder auf die teuflische Idee komme, an Tagen wie Samstagen dort rumzulungern, verspreche ich mir davon eine Entzerrung. Und hoffe, dass sich Szenen, wie ich sie von Open-Air-Konzerten und Fußballspielen kenne (Rückstau bis auf die Autobahn, die Nerven blank bei allen Verkehrsteilnehmern), zu vermeiden sind.

 

Wie hatte Carl schon so richtig gesagt: "Wir sind Humorarbeiter im Weinberg des Herrn!" Und führte sinngemäß aus: Ob "Hol mich hier raus, ich war ein Star" oder "Ein Besuch im IKEA": „Wir keltern Erkenntnis noch aus den faulsten Trauben.“ Und: Recht hat er.

 

Es geht alles.

 

Alles.

 

 

Euch eine schöne Kohlfahrt (auch Alte Bundesrepublik, wie ich finde!), Euer Schomberg (Qyperin der Woche).

 

 

 

 

 




*Im Rahmen des Korrektorats dieser Ausgabe wurde diskutiert, ob nicht ich die teuflischen Worte "Jetzt nehmen wir uns ein bisschen Zeit und schauen in Ruhe nach Kleinigkeiten.", sprach. Da geht es mir wie in einem Untersuchungsausschuss: Ich kann mich nicht mehr genau erinnern, aber bevor eine lange Gegendarstellung auf feynschliff.de erscheint, stelle ich hiermit die etwas unsichere Quellenlage vor der Geschichte fest.