Start / AktuellesInfothekInternKontakteSuchen 
Start / Aktuelles
Schombergs Welt
Ausgaben 1-20
Ausgaben 21-40
Ausgaben 41-60
Ausgaben 61-80
Ausgaben 81-100
Ausgaben 101-120
Ausgaben 121-140
Mein WM-Tagebuch
Ausgaben 141-160
Ausgaben 161-180
Ausgaben 181-200
Ausgabe 181
Ausgabe 182
Ausgabe 183
Ausgabe 184
Ausgabe 185
Ausgabe 186
Ausgabe 187
Ausgabe 188
Ausgabe 189
Ausgabe 190
Ausgabe 191
Ausgabe 192
Ausgabe 193
Ausgabe 194
Ausgabe 195
Ausgabe 196
Ausgabe 197
Ausgabe 198
Ausgabe 199
Ausgabe 200
Ausgaben 201-220
Ausgaben 221-240
Ausgaben 241-260
Ausgaben 261-280
Ausgaben 281-300
Ausgaben 301-320
Ausgaben 321-340
Ausgaben 341-360
Ausgaben 361-380
Ausgaben 381-400
Ausgabe 401
Ausgabe 402
Ausgabe 403
Ausgabe 404
Ausgabe 405
Ausgabe 406
Ausgabe 407
Ausgabe 408
Ausgabe 409
Ausgabe 410
Ausgabe 411
Ausgabe 412
Semesterprogramm
Fotogalerie
Neuigkeiten
Infothek
Intern
Kontakte
Suchen

Wien-ale: Tapa ante portas!



"Die Deutschen wissen besser als die anderen, wie man die richtigen Dinge zum richtigen Zeitpunkt tut. Das ist kein Glück, sondern Klasse." (Ekstra Bladet, Dänemark)


Wien-ale! O-ho.

26.06.2008:

Lahmiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii! Wien-ale! Ohohohohoooooo. Mund abwischen. 3:2. Es endet also in Wien. Wir sahen im Halbfinale gegen die Türkei eine "absolute Nervenleistung unserer Mannschaft." (Doktor Angela Merkel, Cheffußballanhängerin & Personal Coach of Schweini). Überhaupt: Als ich Hans-Peter Briegel mit Zigarette auf der Tribüne in Basel sah, konnte doch nichts mehr schief gehen, INS FINALE GERUMPELT! Jaaaaa. So, rausfliegen können wir nicht mehr, also kann ich diese Kolumne - kurz vor Toreschluß - auf WM-Tagebuch-Modus umstellen.

 

Ich hoffe mal, die Österreicher werden die Bilder direkt aus der Schweiz beziehen und man vermeidet das WM-1954-Feeling mit einem überforderten Reporter, der sich dann - von jetzt auf gleich - auf Radioreportage umstellen muss. Im Moment, 09.30 Uhr, im ICE Helmut Fischer auf der Einfahrt nach Düsseldorf, die Frisur sitzt, Drei-Wetter-Taft, glaube ich, für die Big Potthole wären die Spanier komfortabler. Bei den Russen könnt' ich mir gut vorstellen, daß die uns die drei Dinger vor der Halbzeit reintun. Aber wenn uns die Russkis drei Dingers reinlegen, und jetzt kommt das bizarre Geheimnis des deutschen Teams, dann tun wir denne' vier Stück 'neini. Was für eine abgefahrene Fahrstuhlmannschaft. Da denkt man, man könne in Ruhe und Muße ein Halbfinale anschauen, in dem nichts anbrennt und dann so was. Abgefahren! Zu Spanien kann ich nichts sagen, denn ich verstehe nicht so viel von "Fußball". Aber, wie hat ein Mitgucker von gestern so richtig gesagt: "Jetzt wird es aber sehr deutsch, einer verliert fast sein Auge, wird getackert und wir wechseln einen mit nem Rippenpanzer ein!!!". Schön. Rolfes, sechs Nadeln, zog auf jeden Fall auf Moral & Angriffsgeist! Und hier verknüpfen sich wieder die Handlungsstränge: Nach sechs Jahren endlich wieder in einem Finale und fast so lange gibt es schon "Schombergs Welt", den heiteren Snack für die Jahre zwischen den Finalteilnahmen. Drei Wochen nach der Niederlage gegen Brasilien gab es die erste Ausgabe; so schließt sich also der Kreis. Mittlerweile bedauere ich es auch nicht mehr, dass ich die Kolumne nicht "Schomberg, menschlich gesehen" nannte. Und erst später wurde mir klar, dass "Post von Schomberg" auch nicht angemessen gewesen wäre...

 

"Weiter ist weiter, schöne Grüße an Holland, Italien, Frankreich, Portugal und alle die anderen. Deutschland ist im Finale. Wer hätte das nach den Rumpelnummern von Kroatien und Österreich gedacht?" [Moritz Müller-Wirth]

Der größte Autokorso Deutschlands fand nicht in Kalk statt, aber es blieb alles friedlich und bodenständig nett. Ich bin aber froh, wenn diese Lärmbelästigung bald vorbei ist. Was nicht heißt, das ich des ruhigen Bürgerschlafes wegen das Finale, in dem uns die schwer zu spielenden Russen begegnen werden, verlieren möchte, damit das klar ist!

 

Bevor jetzt der totale Russenhype losbricht, den ich mitforciert habe, sollte man nicht nur an das 1-4 gegen die Spanier beim "Hinspiel" denken, sondern auch an das 0-3 gegen England in der Qualifikation. Die Russen sind einfach nicht oder noch nicht in der Lage, solche Leistungen in Reihe abzurufen. Hoffe ich. Wir lassen sie am Sonntag "Vasser statt Phodka" trinken. Wenn es eben nicht "Tapa ante portas!" heißen sollte. Heute Abend wissen wir mehr.

 

Tapa ante portas!

26.07.2008:

Spanien also. Wir wissen mehr. Ich bin der Russenüberschätzung aufgesessen und habe nicht nur meine Kicktipp-Tipps verrissen, sondern auch andere mit meiner Fehleinschätzung angesteckt und in den Falschtippstrudel gerissen. Im Finale also gegen Spanien. Wird schwer. Hoffe auf unser K.O-Runden-Standardergebnis von 3:2. Aber etwas nervenschonender, so ein 3:0 bis Minute 86 und dann können die Spanier ja gerne noch 2 Buden machen. Und auf jeden Fall muss Briegel wieder im Stadion sein, das gibt mir ein gutes Gefühl! Ganz großartig wäre es nun, im Finale mit Libero zu spielen. Faustisch-briegelisch-dietz:

 

Lehmann - Metzelder - Westermann, Mertesacker - Lahm, Hitzlsperger, Rolfes, Ballack, Fritz - Schweinsteiger - Podolski. Man muss doch auch mal seinem Ruf gerecht werden! Außerdem habe ich ja keine Ahnung von dem Spiel, zwar waren die Russen gestern schwach und ließen den Jungens viel Platz zum kombinieren, aber die Spanier können auch auf engstem Raum ein phantastisches Kurzpassspiel aufziehen: Könnte ich vielleicht doch lieber die Russen in der gestrigen Form haben, Onkel Blatter? Mit Aberglauben und Libero kommen wir nicht weiter. Vielleicht mit weißer Magie? Offenbar begegne ich diesem wichtigen Thema - dem ersten Titelgewinn seit endlosen zwölf Jahren - nicht mit der gebührenden Ernsthaftigkeit. Vielleicht weil ich diesen "Fußballkarneval" zunehmend weniger ertragen kann? Eigentlich ist es ja nett, wenn man nicht gerade im Auge des Rudelguckenorkans ist. Und wie glücklicklich sie sind, all' diese Menschen verstehen vom Fußballfußball weniger als ich und vom Metafußball sowieso nichts.

 

Ein Fußballfreund aus Düsseldorf schickte mir dazu passend folgenden Erfahrungsbericht; vielleicht sind - jenseits der akustischen Belästigungen - die Girlandenmenschen doch nicht schlecht:

 

 

 

Gucken am Rhein ist schön, wenn man gerne den Rhein sieht. Vom Spiel habe ich "nicht alles" gesehen, es ist einfach viel zu megavoll in der Stadt. Aber trotzdem ist es schön. Bei uns am Tisch saßen zwei Mädels. "Wir sind aigäntlich für Polen. Aber Polen ist raus, wir sind für Deutschland. Und wir malän euch jetzt alle mit deutschän Farbän an, so könnt ihr doch nicht rumlaufän, was seid ihr dän für Fäns?"

 

Marokkaner mit deutscher Flagge im Gesicht, eine persische Familie mit Mutter und Töchtern, alle mit deutschen Farben in irgendeiner Ausfertigung. Natürlich liegts nur daran, dass diese Mannschaft Erfolg hat; ich kann mich auch an hämische Kommentare von früher erinnern. Aber trotzdem ist es schön.

 

Nach dem Spiel: Kreischende Mädchen, wohin man sieht oder hört. Die akustische Klasse eine Robbie-Williams-Konzertes. 15-, 16-jährige Dinger stehen an der Haltestelle oder sitzen auf der Straße und kreischen dieses hysterische Fankreischen, das nur Mädchen dieser Kategorie kreischen können, so laut und so lange. Das ist nicht mehr so schön.

 

 

 

 

Nicht jeder kann sich mit dem zwanglosen Umgang und Schmücken mit Fahnen und bundesdeutschen Farben sowie dem respektvollen Aufstehen bei der Hymne anfreunden: "Habt ihr gerade gestanden, wegen der Nationalhymne?" Meine Wenigkeit: "Ja, also ich schon". Die erste Halbzeit zwischen Russland und Spanien war sooooooo langweilig, dass ich auf Wikipedia die Historie der Fußball-Europameisterschaft seit 1960 nachlas. Nach dem Anklicken einer automatischen Weiterleitung befand ich mich auf einmal auf dem Internetauftritt der Ultras von Juventus Turin und entnahm diesem, das man eine Fanfreundschaft mit Den Haag pflegt. Das sind doch die Informationen, auf die meine Leser schon immer gewartet haben, oder? Denn meine Mitschauer waren für derlei brisante Informationen nicht zu begeistern („Hör auf zu schwätzen!“, „Eat flamming death!“, „Nimm Ritalin!“)

 

"[...] Klar war es deppert, sich so überrennen zu lassen, weil es ja nicht mehr als der pure Wille der Türken war. Also unser ureigenstes Gebiet und genau das, womit wir gewöhnlich überlegene Teams umhauen. Und doch spielt am Ende jeder treu seine Rolle. Die Türkei war die absolute Drama-Queen des Turniers und spielte gegen die anerkannten Erfinder dieses Genres. Das Spiel hätte keinen anderen Lauf nehmen können." [Zusammenfassung eines Fußballfreundes]

Dann eben im Hintergrund die Kolumne anpassen, die ich für ein mögliches Ausscheiden der Nationalmannschaft gegen die Türkei vorbereitet hatte. Die alte-Prophet-Berg-Nummer, wenn man sich für das Wissen, das einem vielleicht mal das Leben retten kann, nicht interessiert, ja dann eben nicht. Die zweite Halbzeit von ESP-RUS war ja dann recht unterhaltsam, und ich nutzte die Chance, den Finalgegner zu studieren. Wir haben eine Ausgangslage wie vor dem Portugalspiel. Perfekt. Ballerinen gegen Briegels Erben. Und: Wir sind nicht der Favorit und können befreit auf-, mit- und ausspielen. Das kann 'ne ganz spannende und enge Kiste werden, am Sonntag.

 

Ich muß mal langsam überlegen, wie ich die schreckliche Zeit zwischen dem Ende der EM und dem Beginn der Bundeliga rumbekomme. Vielleicht sollte ich wirklich in die Cricketszene einsteigen, wie es mir angeraten wurde: Das Gurkensandwichessen, die großartige V-Pullunder mit Zopfmuster und die Törchen sind doch nur Staffage. In Wirklichkeit geht es doch nur um einen weiteren Akzelerator für Wahnsinn und Schirmchengetränke. Und um Distinktionsgewinn. Und das scheint das synapsenzumknallenbringende Cricket ja zu sein.... Ich könnte mir also grundlegend vorstellen, diesen Sport wohlwollend zu begleiten. Vor allem, da es auf Wikipedia auch für Metafußballer verständlich erklärt wird ;-)). Für Sonntag muß man sich eigentlich keine Sorgen machen, denn "147 Millionen Russen drücken am Sonntag die Daumen. Das ist viel. Denken Sie daran." Wie könnte ICH das vergessen, für den nervenaufreibenden Finaltag nehme ich jede Unterstützung, die ich bekommen kann. Ich habe mir aus Aberglaubensgründen auch wieder den Finaltip - notiert auf einem "Post-it" (hessisch: "Klebebabsch") - auf meine BleiBeere geklebt und mit Tesa fixiert. Ist bisher dreimal gut gegangen, seit dem Österreichspiel. Warum sollte es morgen anders werden, hää?

 

Ein Corpsbruder aus dem Großraum Frankfurt verfügt über EM-nahes Geheimwissen, das ich an dieser Stelle für die Corpsbrüder in der hessichen Metropole preisgebe: Im "Zapfhahn" (Tiefebene des Frankfurter Hauptbahnhofs), kostet das Beck´s nur € 1,- während der Spiele. Aber psssssst.... denn auch diese Info werde ich

Ausriss aus: Als ich einmal mit Frank Plasberg um 05.15 Uhr nach Mallorca flog...

Habe mir am Mittwoch noch eine Deutschlandfahne am Stiel geholt, Girlanden waren leider aus. ;-) Also ich fühle mich bestens vorbereitet für das Finale. Auf der Rückfahrt, im ICE Bruno Koop, meinen ersten FC-Ingolstadt-Fan (mit Trikot und Schlagballmütze) in freier Wildbahn gesehen. Eine Europaweltmeisterschaft ist auch immer eine Zeit der Wunder!

 

Die Ruhe vor dem Sturm.... langweilig!

28.06.2008:

Regnet's schon in Wien? Heute also noch den Tag rumbringen. Irgendwie. Ich hoffe, in der postimperialen Metropole Wien hat man - zumindest mal probehalber - das Notstromaggregat anlaufen lassen und auf Funktionsfähigkeit getestet. Schmäh hin, Schmäh her: Wenn sie es diesmal verreißen, bin ich bereit, mein gutes Verhältnis zur Republik Österreich auf unbestimmte Zeit zu suspendieren. Denn noch schlimmer als 'ne deutliche Klatsche für Löwis Jogis Jogis Löwen empfände ich einen erneuten Bildausfall. Dieses EM-Finale wird nicht aus irgendeinem kleinen Dorf in Südrumänien übertragen oder der Ostukraine, sondern aus Wien. Heute Abend gehen AH Loetz, AH Knöll V und ich - zusammen mit unseren Mädchen & Spefuchs Loetz II- nochmal die Taktik für das morgige Spiel durch. Wir nennen es "Abendessen", Loetz II habe ich heute Morgen noch ein Zeit und Ort angemessenes Präsent besorgt:

 

Ein angemessenes Geschenk und bundesrepublikanisches Playmomaterial war am 28.06.2008 einfach nicht mehr zu erhalten ;-)

 

Eben versucht, im Kalker Zoofachgeschäft, Regenwürmer zu erwerben. Nein, so abergläubisch bin ich dann doch nicht, dass ich aus dem Gewusel der Würmer versuche, das morgige Endergebnis herauszulesen. Ich dachte, man könne mit Hilfe eines Regenwurmes schneller einen Komposthaufen light anlegen. Der Verkäufer guckte mich sehr schräg an, als ich nach Regenwürmern fragte und verwies mich an ein Geschäft für Anglerbedarf in Mülheim. Währenddessen kaufte eine ältere Dame "Schneckenkorn". Mich blöd angucken, aber Schneckenkorn verkaufen! Muss man den eigentlich noch im Laden trinken? Ein Bekannter zirkulierte vorgestern via e-mail das perfekte Gefährt für den Girlandenmenschen als solchen und ich stelle mir nicht die Frage, warum dieses Automobil ein Bergheimer Kennzeichen trägt. Wo hat Poldi - der Herzensfußballer - nochmal das Fußballspielen erlernt? Anderen schlägt dieser Nichtspielsamstag deutlicher auf's Gemüt, aus dem umgezogenen ZAG erhalte ich diese kristallklare Ansage: "Diese Tage ohne Fußball sind so niederdrückend. So sinnlos." NEIN! Heute nochmal Kräfte sammeln und morgen den vierten EM-Titel holen und den neugestalteten Pokal in den regenschweren Abendhimmel von Wien recken. So sei es!

 

Matchday.

29.06.2008:

Daumendrücken für die Deutsche Nationalmannschaft!!!! Und England? Wie seit 42 Jahren: "No plans for final day, stay in bed, drift away", hihi. Wir müssen es heute alleine deswegen schaffen, weil ich mich dann auf die britische Boulevardpresse freue, und die Spanier, die wieder irgendetwas von "Panzern und Maschinen" faseln...

 

Und:

Regnet's schon in Wien?