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"Aus! Aus! Aus! Wagner ist WELTMEISTER!"

 

Von nix kütt nix? Pustekuchen! Manche Kolumnen schreiben sich wirklich von selbst. Reine, von allen Beiträgern autorisierte Anverwandlung, abgesegnete Kleptokreativität. Wie alles anfing? Ich wurde von folgender e-mail CAFHs am Flughafen, auf dem Weg nach München, geweckt & begeistert:

 

 

Aus! Aus! Aus!

 

WAGNER IST WELTMEISTER!!!

 

sein größter satz, aller zeiten, aus seiner morgigen kolumne:

 

’Ich, Franz Josef Wagner, komme aus einer Welt der Götter und Helden.’

 

 

 

Natürlich nahm ich mir das kostenlose lufthanseatische Printprodukt des Morgens und es war wirklich klar: Der Titan hat endlich den Gipfel erklommen, von dem aus es kein Zurück mehr geben kann! Aus der Nummer kommt er nicht mehr raus. Der Morgen begann ohnehin höchst abenteuerlich: Um 5.50 Uhr stapfe ich aus dem Haus, der Taxifahrer ist wie immer zehn Minuten früher da, wenigstens haben sie sich abgewöhnt zu klingeln, es hat viel Stringenz gebraucht, dies der Funkzentrale zu verklickern, und dann erkenne ich IHN. Ich bin erst einmal mit ihm gefahren, aber ich weiß sofort, was mich erwartet, Erinnerungen wie Blutergüsse, Wiedererkennungen wie Wagnerbriefe. „Herr Y.“ (keine Klarnamen!) fährt nach den Begrüßungsfloskeln los und noch in der Breuerstrasse beinahe einen Radler um: „Uiuiuiui, knapp, Radfahrer am Morgen, Gefahr! Gefahr!“ Ja, mit fernöstlicher Philosophie ruht man in sich selbst, doch „dieser Junge wusste doch von nichts!“.

 

Am Samstagmorgen dann endlich CAFHs e-mail zirkuliert, leider viel Unverständnis und Häme geerntet. Das adenauereske Moment des „Gossen-Goethe“ wurde in fast allen Entgegnungen („“Meinst Du diesen Wagner?“ oder „Herr Wagner von der Bild könnte auch gut ein Politiker sein! Was schert mich das Geschwätz von gestern. Passt ja schon gut in die Wahrnehmungsstörung dieses großen Boulevardblattes :-)“) sehr stark thematisiert.

 

Ja, diesen Wagner, diesen ironiefreien LITERATEN, der in 40 Zeilen die Welt erklärt, meinte ich! Aber gerade seine intensive Auseinandersetzung mit der französischen Spritztour, seine Erkenntnis im Diskurs mit sich selbst („[…] inzwischen sind wir uns doch alle einig – der Radprofisport ist tot.“) führte doch zu der Klimax, zum Kernthema, zum konstituierenden „Ich, Franz Josef Wagner, komme ...".

 

Einige Antiwagnerianer hatten hier diese Assoziation:

 

„(…) dabei kommt mir die Vorstellung, wie er in der Geschlossenen sitzt, zwischen lauter Napoleons, die Hände in langen weissen Ärmeln auf dem Rücken, und murmelt ‚Ich, Franz Josef Wagner, komme ...’ „GENAU DAS BILD hatte ich heute Nacht im kopf, als ich die kolumne gelesen hab, sogi. GENAU DAS bild....

 

Aber lassen wir ihn doch einfach mal zu Wort kommen:

 

"Ich, Franz Josef Wagner, komme aus einer Welt der Götter und Helden. Ich himmelte Fritz Walter an, Muhammad Ali, Franz Beckenbauer, Pelé, Borg. Wenn wir Fußball spielten nach der Schule, gaben wir uns die Namen der Götter. Sie waren die Stellvertreter unseres Ichs.

 

Mit den Vorbildern wie Martin Luther King, Mutter Teresa, Ché Guevara konnte ich mich nie identifizieren. Sie waren zu heilig."

 

zusammen mit den kolumnen der letzten tage (über saufen als krieg mit sich selbst, märchen als antrieb zum schreiben ("Ich schrieb auf der leeren Seite, dass Winnetou gerettet wird, dank einer Wundercreme von Old Shatterhands deutscher Großmutter. Ich war 11, ich glaubte an Wundersalben. [...] Durch Märchen wurde ich Journalist."), und den verlust des mannes, mit dem er schwitze, keuchte, kämpfte), ein weiterer schlüsseltext zu seinem oeuvre.

 

der mann ist in einer existentiellen krise. und wir dürfen uns dankbar schätzen, ihm dabei zugucken zu dürfen. danke, franz-josef!

 

 

Selbst als bekennender Prowagnerianer ist dieses Bild einfach zu verführerisch. Man stellt ihn sich vor, wie er katatonisch vor sich hin murmelt :“Nein, ich will Franz sein! Oder Borg. Ich bin Borg“.

 

Denn er, ich wiederhole, er „himmelte Fritz Walter an, Muhammad Ali, Franz Beckenbauer, Pelé, Borg. Wenn wir Fußball spielten nach der Schule, gaben wir uns die Namen der Götter. Mit den Vorbildern wie Martin Luther King, Mutter Teresa, Ché Guevara konnte ich mich nie identifizieren. Sie waren zu heilig.

 

 

Und dann, wie Sogi so richtig schrieb, ja dann wurde sicherlich „Helden fangen die Helden“ gespielt und ausgezählt, ja, so lief das auch bestimmt.

 

"Ich bin Fritz Walter!"

"Ich bin der Seeler!"

"Ha, dann bin ich Pele!!" *gewonnen*

"Ich bin ...."

"Klappe Franz-Josef, du bist wieder Mutter Theresa".

 

"Hmpf. Immer ich."

 

 

 

Tja, das ist das pralle Leben, meine Damen & Herren, auf der einen Seite noch den Bourdain fertig gelesen und sofort das neue Werk geordert; auf der anderen Seite diese unvorstellbare Größe des wagner’schen Werkes. Was ich derzeit lese ist gut. Nach dem ersten Drittel von Bourdains „Auf der Jagd nach dem vollkommenen Genuss“ machte es „Klack“ und ich war von der Schreibe recht angetan, von seiner Liebe zum authentischen Essen und seiner moralischen Haltung sowieso. Diese bedingungslose Moral war es auch, die mir mein altes Buchprojekt wieder in Erinnerung rief: Kontakt zu FJW aufnehmen und ihm vorschlagen, eine Sammlung seiner besten, kontroversesten Gagadadapapakeller-Kolumnen rauszugeben. Oder Blüten der Kunst wie sein Brief an die Kneipenwirte, in welchem er hochfiebrig ausführt: „[...] Da ist ein Pubertierender, der ein Mann werden will, und da ist ein Kneipenwirt, der womöglich den Tod ausschenkte. Der Junge in Ihrer Kneipe ist mir sympathisch. Er will keinen Haferschleim, kein Müsli mehr mit gehackter Banane und Nüssen von seiner Mutter. Er ist im Krieg mit sich. Dieser Junge war doch kein Wermut-Bruder, kein erfahrener Alkoholiker, dieser Junge wusste doch von nichts." Es ist kristallklar: Wagner schreibt an Wagner.

 

Mit der Zustimmung zu diesem Projekt könnte Wagner zwei Jungens in Kölbe und Cöln sehr, sehr glücklich machen! Habe Ernesto bei einem Sonntagnachmittagspaziergang durch Kalk von der Wagnerwelt berichtet, dies war wohl ob des von mir verströmten Pathos' ansteckend und er hat sich prompt einmal durch seine Welt geklickt...

 

Er berichtete Montagmorgen von diesem Selbstversuch:

 

 

 

Puh, ich hab mich mal zwanzig Minütchen durch das Wagner-Universum gezappt, und ich glaube, ihr solltet das machen, mit dem Best Of. Dahin bin ich nämlich nicht durchgedrungen ;-)

 

Was ein besoffenes Geseiere! Der Mann hat ja jeden Bezug zu Takt und Realität verloren. Aber das ham ja die meisten Frauen. Hä?

 

Ich mach jedenfalls dann im Gegenzug das Worst Of:

 

Worst of Assoziation:

"Greenpeace ist ein Klassiker, der Beethoven, der Mozart, der Bach des Protests."

 

Worst of Umkehrschluss:

"Nun kommt Anne Will. Neue Besen kehren gut. Um Gottes Willen. Keine Frau ist ein Besen. Aber nicht jeder Besen hat schöne Beine."

 

Worst of Solidarität:

"Wenn ich in einen Zug einsteige, dann verbinde ich mein Leben mit dem Schicksal meines Lokomotivführers. Er sieht für mich, er fährt für mich, er ist fit für mich. Ich bin auf der Seite der streikenden Lokführer."

 

Worst of Sozialstudie:

"Wenn ich an Afrika denke, dann denke ich auch an Brandenburg. Viele schöne Menschen Afrikas sind Nutten und Kellner geworden."

 

Ich kann nicht mehr! Ernesto

 

 

Dies wiederum sorgte für deutlichen Dissens bei einem der Protoherausgeber zu Cölbe:

 

 

„ich weiß gar nicht, was die alle gegen wagner haben??? für mich ist er der paul celan der nuller jahre. […] die schiefen bilder, die sauferei, die verschrobene deutschtümelei, die non-sequiturs, das geradezu süchtige leiden, tragisch, faustisch, deutsch - wagner ist allerechtester celan fürs lumpenprekariat. und jedes land hat die dichter, die es verdient.“

 

 

Naja, es gibt ja sogar Dinosaurier, die Wagner anzeigen! Die haben einfach nichts ihn nun wirklich nicht verstanden. Dem scheint meinerseits nichts mehr hinzufügbar zu sein! Mein Dank für diese Kolumne, bei der ich mich wirklich nur auf's Sichten und Anordnen beschränkte, geht an Sogi, querk, CAFH, Rübe und Ernesto (nom de lettres!)

 

Und, bedenkt:

 

"Ich, Heiko Schomberg, komme aus Mönchengladbach." Schöne Woche, Euer Schombe, dpb.

 

 

Nachtrag, als Director’s Cut – light, quasi:

 

“(…) falls du überhaupt meine mail meinst. und nicht das, was ich aufm forum zu den letzten schlüsselkolumnen geschrieben habe. was ich auch SEHR gut fand. wie ich überhaupt fast alles, was ich zu wagner schreibe, gut finde. der mann inspiriert!“ (CAFH)

 

- fin -