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Der Balkon - Platz des himmlischen Friedens!



"Rocco: Da saß er eben noch im Nahverkehrstruppentransportzug, tiefbaugeschädigt. Mit seiner miserabel ausgeführten Laienspielertätowierung (Unterarm) „Navy“, die nur durch die Tattoo „Rocco“ auf seinem linken Handrücken getoppt wurde. Natürlich Karussellbremserschnurbart, offenes Hawaiihemd; selbstgedrehte Zigaretten samt bordeauxroter Bomberglanzjacke. Slipper mit Wollsocken zur verwaschenen Jeans. Rocco war ein Bahnhofskneipenoriginal, wie es im Buche stand." (aus: MrB 6)


Wie schön Dein Balkon sein kann, diese himmlische Stille, die Sonne geht langsam unter, Du liest das viel zitierte "gute Buch" und im Hintergrund gedämpfte & gute britische Populärmusik aus den Frühachtzigern.

 

"The Jam" half mir, das Audioscharmützel mit den neuen Nachbarn zu gewinnen. Nach anderthalb Tagen. Nachdem wir also anderthalb Tage unfreiwillig einiges über französischen und frankophonen HipHop gelernt haben. Wir haben neue Nachbarn mit einem nach meinem Dafürhalten "interessanten" Musikgeschmack - rein subjektiv betrachtet. Die Bodenständler aus der Roccoliga (laienhafte Tätowierungen, Glanzbomberjacken) von einst, deren Jüngster als Abschiedsgeschenk auf unsere Markise expektoriere, sind weg - und wir weit schlimmer dran: Und ich weiß aus Marburger Erfahrung wovon ich rede: Über uns eine Dreier-Studenten(?)-WG!

 

Diese WG hegt eine Vorliebe für lauten französischen Sprechgesang & hat einen Freundeskreis, der sich dem frankophonen HipHop und RAP ebenfalls verbunden fühlt. Und diese Sympathie wird per Lautstärke recht öffentlich macht.

 

Nach anderthalb Tagen also, in denen die Mucke wieder so unerträglich war wie die Lautstärke, Frau Feynschliff Sauerwald und ich wollten noch etwas in der Nachmittagssonne des 1. Mais entspannen, ein Mixgetränk und die Tageszeitung einnehmen, ja, da war es so weit:

 

Was tun? Was gegen das Gebrüll tun, ohne als Spießer dar zustehen?

 

Schwierige Frage. Ich dachte nach, es brodelte, und unter dem Ausruf "Ich kann diese HipHop-Drisse nicht mehr ertragen!" räumte ich wortlos aber entschlossen die Boxen ans Balkonfester, suchte den "Best-of-The-Jam"-Silberling raus und drehte die Anlage auf. Klar, das war kein Vergnügen, im 200-Phon-Strom zu sitzen ("das tut mir mehr weh als Dir!") aber nach "In the City" (2:20) und "All around the World" (2:24) war die Audiowelt wieder in Ordnung!

 

Habe ich richtig gehandelt?

 

Als ich den Text im Literaturlaboratorium einstellte ("Habe ich richtig gehandelt?") und zur Diskussion freigab, erhielt ich spannende Reaktionen:

 

 

"Sogar einzig richtig. Nur die Wahl der Waffeln bleibt diskutabel."

 

Ein weiterer LINKSRHEINER ging d'accord und schrieb:

 

"Den lockeren Deckungsverbund des Gegners in seiner Kernschwäche angegriffen.

 

Gitarrenriffs so scharf wie ein japanisches Messerset gegen harmloses Gereime von irgendwelchen Mitteklassejüngelchen. Soweit taktisch ok, Schälsickbeu.

 

Allerdings bin ich mal wieder entsetzt über den Niveauverfall am Ostufer unseren schönen Stadt.

 

Ist doch die einzige Musik, die ich in unserer Mehrparteienanlage hin und wieder vernehme, daß liebliche Cellospiel der beiden [...] aus dem Erdgeschoß, die sich wohl offensichtlich als Orchestermusiker(innen?) verdingen.

 

Möge Gevatter Rhein nie austrocknen, um dem Prekariat von der definitiv falschen Seite des Flusses den Zugang zu meiner geistreichen Nachbarschaft in parkähnlicher Umgebung weiterhin so schwer wie möglich zu gestalten.

 

Hohe Mieten sind natürlich auch nicht schlecht."

 

 

Und ein musikalisch selbst höchst aktiver Arbeitskollege, dem ich von den Maierlebnissen bei der Mittagspause berichtete, meinte lapidar... und

 

"kurz und knapp JA.

 

aber einen kleinen tip habe ich für euch, wenn es mal wieder too much wird. hip hop anhänger kann man recht schnell aus der fassung bringen, wenn man den guten alten 80ziger sound unseres poptitanen "dieda prollen" aka blue system aka modern talking zum besten gibt. ich habe als alter soundtüftler immer allergisch gegen solche attacken reagiert...

 

und habe diese fiese attacke auch schon gegen übermässigen bass (und ich weis was ein übermässiger bass ist, denn ich arbeite mit solchen sounds auf ZIMMERLAUTSTÄRKE) eingesetzt und wurde als arsch des hauses abgestempelt, jedoch mit anschliessender ruhe im haus oder mit vorankündigung, dass man nun ein wenig hiphopen möchte. denn keine anlage ist so fies und direkt wie abhörboxen (auch wenn sie nur 60 watt besitzen, jedoch sinusleistung)"

 

Naja, beim nächsten Mal werde ich ihnen WIRKLICH WEH TUN und als musikalische Antwort den Mitschnitt eines Karaokeabends nehmen, bei dem ich zu vorgerückter Stunde und in völliger Textkenntnisfreiheit "Purple Rain" von Europa-TAFKAP singe.... ich freue mich schon auf den kommenden Dialog im Treppenhaus... "War die Musik am 1. Mai zu laut?" "Nööö, ich mag nur keinen HipHop!"...

 

Euch eine schöne und vor allem ruhige Woche, Euer Schomberg.