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Semiakademische Szenen aus Kalk IV, heute: Der Erlebniseinkauf im "plus".



... im Gegensatz zu Marburg an der Lahn gibt es in Köln-Kalk noch nicht diese ein-eindeutigen Aufforderungen...


Offenbar funktionierte an einer Kasse des plus-Marktes im lieblichen Kalk die EC-Karten-Zahlung nicht. Diese Kasse wird gemeinhin von einer sehr lebensnahen wie –erfahrenen Ostdeutschen betreut, die likörnah scheint, sich zu einer Dauerwelle wie Rudi Kargus damals bekennt und diese tapfer und stolz (er)trägt und stets klare Anweisungen verteilt. Und auch bereit ist, recht meinungsstark ihre Sichtweisen kundzutun.

 

Unlängt, nachdem drei Jugendliche ungeklärter südosteuropäischer Herkunft ihre Billigchips bezahlten und sich noch in deutlicher Hörweite der Kasse befanden, rief sie laut und vernehmlich zu den sechs Kunden, die bei ihr anstanden:

 

"So, jetzt fassen wir uns alle mal ans Portemonnaie und schauen, ob es noch da ist! Das waren eben [meMs*] – die sind sehr firm im Taschendiebstahl." Klare Gedanken, klare Anweisungen. Aber sie hat auch ein großes Herz für die lokale Trinkerszene und legt schon mal aus eigener Tasche 5 bis 20 Cent drauf, wenn ein "Lokaler" nicht genügend Flaschenpfand für 'ne neue Hülse Oetti zusammenbekommt.

 

In meiner Versuchsanordnung wohnte ich dem engagiert - wie durchsetzungsbereit - vorgetragenen Versuch der EC-Kartenzahlung eines bierigen (=angeschickerten) Kunden (ca. Ende 30 / Anfang 40) mit einfarbigen Tätowierungen der Marke Bautzen ("aber ganz sicher kein Politischer!", denke ich mir) die ins blassgrüne tendierten, bei. Nachdem er bei Madame "Klare Ansagen" wohl kein Fortune mit der Kartenzahlung hatte, war dies nun auch an der anderen Kasse nicht möglich. An dieser saß so ein Lehrlings-/Aushilfsjüngling mit so einer "modischen" Frisur und viel Strass-Bling-Bling an den Ohren. Ich hätte ihn also eher in einer der Trilliarden Casting-Shows verortet als an einer Kasse im plus.

 

Darauf hin entsponn sich folgender Dialog, der bei circa 200 Phon endete und dessen Zeuge ich werden durfte:

 

"Tut mir leid, ‚Kassenzahlung nicht möglich!‘, es klappt leider nicht."

 

Der Kunde ist schon – naja – unwirsch.

 

"Versuchen wir’s nochmal."

 

Wiederholung.

 

"Tut mir leid, ‚Kassenzahlung nicht möglich!‘…."

 

"… wassen‘ das fürren‘ Scheiss!"

 

"… ja, vielleicht ist kein Geld auf dem Konto?!?"

 

ESKALATION TOTAL!! //wechsel// TOTAL ESKALATION!!

 

"Unverschämtheit, ich habe gestern noch Internetbanking gemacht! Ich kann den halben Laden kaufen, wenn ich will."

 

Der mit der albernen Frisur ist nur noch ruhig und sagt nichts mehr.

 

"Eine Unverschämtheit, was erlauben Sie sich? Ich will den Deutschland-Geschäftsführer sprechen!"

 

Der Junge sagt nichts und schaut nur wie Friedenskanzlerin Dr. Angela Merkel in der Elefantenrunde 2005. Und auch niemand singt beseelt "Freude, schöner Götterfunke".

 

In der Kalker Stadtteilbibliothek wurden am 30.06.2009 Bücher verschenkt:

 

Ich entschied mich für die Mitnahme dieser fünf Biographien:

 

Fischer, Lothar: "Max Ernst. rowohlts monographien", 7. Aufl., Hamburg 1993

 

Signoret, Simone: "Ungeteilte Erinnerungen", Köln 1977

 

Liebermann, Rolf: "Opernjahre. Erlebnisse und Erfahrungen vor, auf und hinter der Bühne großer Musiktheater", Bern und München 1977

 

Neunzig, Hans A.: "Brahms. Eine Biographie. Der Komponist des deutschen Bürgertums", Wien und München 1976

 

Thoelke, Wim: "Stars, Kollegen und Ganoven. Eine Art Autobiographie", Bergisch-Gladbach 1995

 

"Unverschämtheit!" rufend, schlägt (oder tritt?) der bierige Endverbraucher Retailkunde mehrfach gegen die Aluminumverkleidung des Kassenlaufbandes! Tobt, Deseskalationsgirl von Kasse 1 – die Frau mit dem Überblick - sagt beschwichtigend: "Dieses Problem hatten heute schon mehrere Kunden. Sie bekommen jetzt die 1,75 Leergut von mir in bar, lassen Sie den Wagen stehen. Vielmals Entschuldigung." Und schickt den Bling-Bling-Jungen weg: "Du verlässt jetzt die Kasse!"

 

Was er gottseidank nicht tat – denn es ist ja völlig unnötig zu erwähnen, das ich da noch wartete. Wortlos und geknickt scannte er die Produkte ein, ich murmelte noch "nicht aufregen!", während ihm die Tränen runterkullerten.

 

Aus dem Hintergrund tönte es, an die Kassiererin (!) gerichtet: "Junger Mann, ich habe Geld, ich kann den halben Laden leerkaufen!" Schnell verstaute ich meine Waren, beendete den Erlebniseinkauf und verließ rasch den Ort des Austausches von Freundlichkeiten.

 

Ich ging dann in die Stadteilbücherei Kalk. Wenn ich wollte, könnte ich mit meiner Karte den halben Laden leerleihen. Den Besuch der Bibliothek tat ich Clouse N. kund und erhielt e-postwendend die Ansage: "Aber nicht den BlackBerry vergessen, Webzwopunktnulljunge! Könnte ja sein, dass die fette Grobe an der Bücherausgabe neue Strähnchen hat. Nicht auszudenken, wenn das vor Dir einer twittern würde..." Eine Unverschämtheit! War meine Mitteilung doch viel, viel substantieller!

 

Neben dieser Ruppigkeit stellte jedoch das ZAG die richtige und angsteinflößende Frage: "WARUM GENAU verschenken sie denn die Bücher? Bereiten sie die Stadtteilbücherei Kalk für den Einsturz vor?" Über diese Zeilen muss ich noch lange nachdenken..... wie auch über die Miniatur im "plus"...

 

Deutschland ist schön – ich zeige es Ihnen! Ihr & Euer Schomberg.

 

 

 

 

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*: Hier habe ich aus Rücksicht auf die Kassiererin das Originalzitat verfremdet. Und auch aus Eigenutz: Nachher werde ich für jemanden gehalten, dem man Antiziganismus vorwerfen kann resp. diesen unterstellt. Ich zitiere das ZAG: "Wenn die Leute nur halb so gut lesen könnten, wie sie übelnehmen, dann wäre schon viel gewonnen. [...] Mach 'ne Klammer, in der du drauf hinweist, daß im Original ein derberes Wort zur Anwendung kam, du aber Mit Rücksicht auf blablabla. Das haben sie dann davon, die Sprachwächter. Esisallesosinnlos. Abgezapft und originalverkorkst von Pallhuber und Söhne."