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Generationenkonflikt Golf



Die Widmung im Buch lautet... "Marburg im Januar 2008: Lieber Heiko, Deine lustige Alternative zum Fußball. Alles Liebe zum Geburtstag wünscht Dein [ZAG]"


Ursprünglich wollte ich ja dieses Wochenende in Innsbruck verbringen, doch dann kam mir – gottseidank ? - etwas Berufliches dazwischen und der Beginn, die Abstimmung war eigentlich harmlos; eine Berliner Kollegin bat um einen Rückruf, und ich hatte keine genaue Vorstellung, worum es ging, obwohl das "Four-Letter-Word" im Vorabgespräch kurz angerissen wurde.... Doch ich konnte mir nicht vorstellen, dass man ausgerechnet mich dabei haben wolle. Mein zweiter Vorname ist Rückrufdisziplin, ich wählte mit zitternden Händen die Rufnummer und dann kam man wechselseitig schnell auf den Punkt, ein Telefonat wie Donnerhall: "Kannst Du uns bei einem Golturnier unterstützen?"

 

"Bitteeeeeeeeee? Hmmh, tja, naja, klar, aber: Ich spiele kein Golf, ich bin eher, hüstel, Fußballer."

 

"Kein Problem."

 

War es nicht so, daß mir das ZAG mal in einem Anflug von Bosheit ein Golflehrbuch geschenkt hat? Gab es nicht Menschen in meinem Sozialumfeld, ja, im Nahumfeld, die durchaus dem Golfsport zugetan waren, bei denen ich mich im Vorfeld zum Thema Dresscode, Comment und Futt & Feuerstein hätte informieren können?

Da mir keiner belastbare Dresscode-Infos gab, ging ich zu einem Kollegen, von dem ich wusste, dass er der Generation Golf angehört, kerzengerade stampfte ich ins Büro und frug:

 

 

„Haste‘ eine Minute?“

 

„Das sagen heute irgendwie alle!“

 

„Länger dauert es nicht: Sach‘ ma‘, Paul, beim Golfturnier in Duvenhof, wie ist da der Dresscode?“

 

„Keine karierte Hose!“

 

„Uff! Ich muss also nicht aussehen wie ein Ostküstenrentner in Miami?“

 

„Nee.“

 

„Chino und Polohemd reicht?“

 

„Ja.“

 

„Danke, keine weiteren Fragen mehr und ‚Tschüsss!‘“

 

Uff.

 

Erleichterung.

 

Und dann rückte der Turniertag näher. Da ich mich in die Obhut des ÖPNV begeben musste, fuhr ich also nach Meerbusch-Osterath, ich ging die letzte Grenze überwinden.... Meerbusch-Osterath, Minicar genommen, dann zur Golfanlage am lieblichen Niederrhein .... wo noch nie ein Schombeaux zuvor war... das Buch "Golf lernen" ist am Mann.... damit ich heimlich darin blättern kann.... die weiteren Ereignisse kann ich nur noch in Erinnerungsinseln abrufen, denn ich bewegte mich auf fremdem Terrain…. Ein Gedächtsnisprotokoll, das ich nicht „Golf - the final Frontier! [We call it Generationenkonflikt - Gedächtnisprotokoll]“ nannte, denn das wäre nicht so knackig gewesen, wie ich es wünschte.

 

*

 

Die Anlage lädt zur Kontemplation ein. Zum Spazierengehen ganz nett, dieses "Golf". Da es keine Caddies gibt, haben die alle so Dreiradtüten dabei, in denen die Knüppel stecken. Ich bin begeistert, wie gepflegt die Anlage ist, zum Seelebaumeln lassen und flanieren ein großartiges Stück Landschaft.

 

Jeder, der einem entgegen kommt, grüßt freundlich mit "Guten Morgen", so wie es ostdeutsche Wanderer in der Sächsischen Schweiz tun.

 

Die Luft ist sehr gut.

 

Ich werde ers'ma' eine rauchen.

 

*

 

Fan-ta-stis-ch! Ich darf gleich Golfwagen fahren! Aber man muss anhalten, wenn Menschen vor der Pocke stehen und "den Ball ansprechen".

 

*

Jemand fragt mich: "Ist das mit Kanonenstart?"

 

Ich gucke zehn Sekunden freundlich, wissend und sage dann, all‘ meine Kombinationsgabe und mein Hirnschmalz hineingebend: "Nö, da gehen die Flights, das sind diese Spielgruppen, so im Zehn-Minuten-Abstand los und fangen an Loch 1 an."

 

"Aha".

 

Ich hatte halt was aufgeschnappt.

 

Damit ich nicht völlig aussageunfähig & unbeleckt war, habe ich ab und an ein bisschen Regelkunde von Clouse Neverman auf meine BleiBeere bekommen:

 

Regelkunde I:

 

Helfen kann so einfach sein: Als Kanonenstart bezeichnet man den Modus, wenn bei einem Wettspiel alle Teilnehmer zur gleichen Startzeit abschlagen. Dazu werden sie auf alle Spielbahnen eines Platzes verteilt und starten gleichzeitig. Der Start erfolgt entweder nach Uhrzeit oder aufgrund eines allgemein wahrzunehmenden Signals.

 

 

Ich finde das alles aufregend, wie die Begegnung mit "An Cafe"!

 

So im ethnologischen Forschersinne.

 

Ich muss um 14.15 Uhr die Verpflegung an Gleis Loch 10 durchführen... zwar habe ich 'nen Plan von dem Golfplatz (im Sinne von "Landkarte"), aber ich werde mich ganz sicher verfahren.

 

Und außerdem muss ich ja alle naselang stehenbleiben und mich stickum verhalten, wenn jemand "mit dem Ball spricht".

 

Außerdem darf ich nur auf dem Fairway fahren.

 

Und wenn jemand "Fort" ruft, weil es einen Querschägerball gibt, muss man in Deckung gehen und Schädel und Schläfe in der Hocke schützen.

 

Eine verrückte, fremde Welt.

 

*

 

Zum An-der-frischen-Luft-sein ist Golf unzweifelhaft auch ein fantastischer Sport. Wenn man reflektierende Bewegung braucht.

 

Vielleicht fange ich mit Golf an, wenn ich in Rente gehen darf.

 

Mit 75.

 

*

 

So, ich habe jetzt mit dem Caterer an Schutzhütte 5 den Imbiss an Loch 10 aufgebaut und warte auf den ersten Flight.

 

Man ist viel an der frischen Luft.

 

Eine Golfautobatterie hat 36 Volt.

 

"Heiko, Du musst Dich jetzt beeilen, gleich fängt die Golfklinik an!"

 

"Ich knick' die Golfklinik, einer muss doch die Kunden betüdeln!"

 

Uff.

 

Meine Dienstleistungsorientierung rettet mich also vor Übungen zu diesem "unsäglichen Proletensport" aus Schottland. ;-)

 

Wo ich bin, ist Polo!

 

Wieder Golfwagen gefahren, es ist unfassbar, wie schnell die Dinger sind. Im Golfwagen ein vergilbtes, wettergegerbtes Din-A-6-Infoblatt gefunden, auf dem als letzter Punkt "ausdrücklich jeder Spieler gebeten wird", Originalzitat, "keine Zigarettenkippen auf den Platz zu werfen".

 

*

 

Vor fünf Minuten meine ersten Livegolf-Szenen gesehen...

 

Man spielte "Nearest to the Pin", nach dem Imbiss, keine getrennte Frauen-Männer-Wertung, nach einer kleinen Stärkung schlug man ab von "Neptun's Kull".

 

Ich hatte bis dahin stets "Skull" gelesen.

 

Regelkunde II:

 

Ähnlich wie beim "Longest Drive" ist dies eine Sonderwertung bei Turnieren. An einem Par-3-Loch wird gemessen, wessen Ball nach dem Abschlag die kürzeste Distanz zur Fahne hat. In einigen Turnieren wird an besonderen Löchern (meist ein Par-5-Loch) eine Sonderwertung für den Longest Drive vergeben, den weitesten, auf dem Fairway platzierten Abschlag. Achtung Golferhumor: Geht ihr nach Beendigung des Turniers noch in das 19te Loch (scherzhaft für Clubheim)?

 

Jetzt noch fünf Dartpfeilenden durchwinken, -schleusen und besmalltalken und dann kann ich wieder BobbyCar fahren. ("Meine Name ist Shoko Heyjmberg, ich und meine Besatzung begrüßen Sie im Golfkart zum Loch 11")

 

Ins BobbyEwing-Jan-Land Bobbejaanland.

 

Denke über mögliche Bandnamen nach, die mein Tun beschreiben: "Frikadellchen an Schutzhütte Fünf"? Oder: "Gleis 10: Das Fingeressen beginnt". Alles zu gewollt, zu artifitiell. Gleich fängt es an zu regnen. Und wo bin ich? Richtig: An der Schutzhütte. Schön. Dann der Gedankenblitz, DER Bandname kann nur stimmig lauten: --> Regelkunde in Schutzhütte 5 <--

 

Kurz fand noch der dilettantische Versuch per Funktelefon statt, mich in meinem Golfenthusiasmus zu verunsichern, man stellte mir fernmündlich folgende Frage:

 

Aber was machst Du, wenn jemand mit einem Forged Blade einen Free Drop ausführt?

 

A: Dich als Raketenforscher vorstellen

B: Den Golfwagen im Froschteich versenken.

C: Schnell einen "Girlie" schlagen

 

 

Dies erkannte ich recht schnell als einen derben Spaß, um mich in meinem Tun zu verunsichern. Ich drückte mit einem sardonischen Lächeln den roten "Auflegen"-Knopf.

 

*

 

Gerade den "Professional Ball Washer"-Aparillo entdeckt.

 

Darunter habe ich mir immer was anderes vorgestellt.

 

Ist von der "Standard Golf Company" aus Cedar Falls, Iowa, U.S.S.

 

Da kann man die Pocke mit den Narben sauber machen.

 

Mit der Kurbel.

 

*

 

Weltklasse!!!! Ich wurde Augen- und Ohrenzeuge eines diabolischen Entenattentats:

 

Gerade hat ein Kollege von mir - ein Sympathieträger - erstmal den Ernährer einer Entenfamilie an Loch 10 abgeballert.

 

Nach fünf Minuten berappelte sich Donald wieder.

 

Großartig.

 

Wäre ich im Zeligmodus, begönne ich gleich Montag mit Golfstunden im Golfintensivkurslehrgang.

 

Warten auf das (den?) letzte(n) Flight! Einen Vertreter der vorletzen Gruppe frage ich: "Wo sind die anderen denn? Die sind doch vor euch gestartet?"

 

"Die haben uns durchspielen lassen."

 

"Aha."

 

"Tja, und dann haben die Ladies wohl Selbstmord begangen!"

 

"Ach so. Na dann geben die am 19. Loch halt 'ne Runde aus!"

 

"Ich denke, Du spielst kein Golf, Heiko?!"

 

"Jo, aber deswegen kann ich mich doch trotzdem auskennen."

 

DANKE CLOUSE! Denn kurz vorher empfing ich diese e-mail:

 

Regelkunde III:

 

Lady: Im deutschsprachigen Raum verwendeter umgangssprachlicher Ausdruck für einen missglückten Abschlag eines männlichen Spielers, bei dem der Ball nicht über die Abschlaglinie des kürzesten Damen-Abschlages fliegt. Wird auch als "Girlie" bezeichnet. Üblicherweise lädt der Spieler, der das "Lady" gespielt hat, die Mitspieler seines Flights nach der Runde auf ein Getränk im Clubhaus ein.

 

 

Ich muss an eine Bekanntschaft in Frankfurt am Main denken, da habe ich mal einen Typen kennengelernt, der sein Geld damit verdiente, auf den Plätzen die Bälle aus den Teichen zu holen. Jeden Tag mit einem Taucheranzug auf nem anderen Golfplatz rumlaufen, ich weiß nich‘, da kommt man sich doch vor wie ne Mischung aus Bernhard Langer & Alfred Tetzlaff

 

Aus, aus, aus! Das Turnier ist aus. Bilder geschossen, mit dem Golfwagen rumgefahren und alle Hinweissschilder, Banner und Aufsteller eingesammelt..... Und während sich jetzt alle an "Loch 19" verlustieren, habe ich mich nach Neuss evakuieren lassen, vor dem Bahnhof mein rotes Geschäfts-Polo-Shirt ausgezogen (natürlich mit Hemd drunter!) und mein Zivilistenpoloshirt wieder an, hetze gleich nach Kalk, dann anderes Schuhwerk, dann BlueShell. Dort spielt zum Tanze die Unterhaltungskapelle „Cecil Vyses“ auf! Das war ein Gegenentwurf, es war morrisseyesk, es war schön.

 

Tage später, nachdem ich einige Reaktionen in Web 2.0-Anwendungen auf meine Golf-Tweets erhielt (u.a. "Barracuda goes golfing - das ich das noch erleben darf!!", "Hattest Du denn wenigstens Karohose, weiße Golfschuhe und Rautenpullunder an? Mein Gott, was für ein Bild - und dann so richtig schön das Green zerpflügen, was für ein Spaß :-)"), wurde ich auf einer Geburtstagfestivität „gestellt“ – es war knallhart und ich konnte nicht ausweichen:

 

„Golf würde Dir gefallen, Heiko!“

 

„Warum?“

 

„Na, sag‘ doch mal selbst!“

 

„Tja, man ist viel an der frischen Luft, hat Bewegung, kann sich unterhalten und landschaftlich ist das schön, und…“

 

„… und man spielt zusammen, egal wie gut oder schlecht der Flight ist!“

 

„Entschuldige – wenn ich diese Grenze überschreite, dann ist nichts mehr vor mir sicher.“

 

… Euch eine schöne Woche, ich guck‘ mir mal die Seiten von VcG an, Euer Schomberg.