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Terrorinstrumentarium Fernsehprogramm!



Mittlerweile bin ich froh, das mein Spamfilter doch nicht jede unerwünschte Mail in den virtuellen Lokus spült. Dies ist doch mal eine Spam mit "interessanter" Botschaft und Figur. Und dennoch habe ich Angst, sollte folgendes eintreten, was ich 2001 schrieb: Das Netz ist allgegenwärtig [...] und man nähert sich mit Riesenschritten einem fernsehgleichen Massenmedium. Durch die Fusion des Internet-Anbieters AOL und des US-Konzerns Time Warner schließt man sich zum größten Medienunternehmen der Welt zusammen. Damit kommt man dem anvisierten Quantensprung nahe, ein Massenmedium zu schaffen, daß Fernsehen und WWW kombiniert. "Dies ist ein historischer Moment für den Bereich neue Medien" [Hervorhebung, HS], sagte AOL-Chef Steve Case, "Durch den Zusammenschluss ergebe sich [...] die einmalige Möglichkeit, seine Vision in die Wirklichkeit umzusetzen, daß das Internet für die Menschen so wichtig und selbstverständlich werde wie bislang schon das Telefon und das Fernsehen." Gut, dass man diesen CEO abgelöst hat... puuuuh...


 

"Das Kino ist ein Ort des Erinnerns - das Fernsehen ist ein Ort des Vergessens."

(Jean-Luc Godard)

 

Das Fernsehen macht uns immer debiler! Dieses Verdikt klingt zwar ein wenig wie Ingeborg Bachmanns Behauptung, "Jede Jugend ist die dümmste!", doch ich befürchte, ich muss dieses Vorurteil nahezu rückhaltlos aufrecht erhalten! Es geht hier nicht um Kulturpessimismus und den ganzen anderen Bildungsbürgerballast, es geht nur um eine handvoll Beobachtungen. Tanja und ich sitzen auf der Couch und lassen uns durch eine öffentlich-rechtliche Quizshow mit dem Rätselmeister Pilawa zerstreuen. Auf den Stühlen sitzen zwei GoGo-Tänzer aus Hamburg, "Männlein" und Weiblein (natürlich gepierct - eigentlich unnötig zu erwähnen) und mit Glück und Chuzpe schummeln sie sich durch Runde um Runde. Dann geschieht es - die Frage lautet: Von welchem Philosophen stammt folgende Aussage: "Gott ist tot."

Zur Auswahl stehen die heiteren Kameraden, die drei lustigen Vier, Schopenhauer, Nietzsche, Kant und Hegel. Die Hupe verdreht die Augen, sagt aber spontan "Nietzsche". Tanja grinst, stupst mich an und meint: "Wetten, die Puppe sagt jetzt 'Gott ist tot' wäre von der Unterhaltungscombo 'Das Ich'!" Das an Dummheit nur schwerlich zu überbietende GoGo-Girl sagt "Hmmmh, Gott ist tot... kenne ich irgendwie aus anderen Zusammenhängen (sic!).... nämlich von 'ner Gruftieband!". Tanja und ich verlieren spontan das Bewusstsein und plädieren vehement für das Totalverbot von Quizshows! Die Frage konnte das GehGehMädchen dann doch noch richtig erraten (= beantworten) und man fragt sich, warum man sich ein Reservoir an Allgemeinbildung aufrecht erhält, gestählt durch tausende von Runden Trivial Pursuit und dann kommt man doch mit Glück weiter.... verdammter Bildungsterror... der Sieg der Vernunft wurde einfach zu früh verkündet...

 

An diesem schrecklichen Fernsehtag wird abends der Topfilm in der Fernsehbeilage der Oberhessischen Presse, RTV, beworben, ich zitiere: Tage des Sturms. TV-Drama. Geschichte einer Familie aus Bitterfeld (u.a. mit Thekla C. Wied). Unnötig zu erwähnen, dass wir uns dieses Produkt nicht zu Gemüte geführt haben?!?! Am gleichen Tag berichtete die Drehscheibe über einen Rekordversuch: Man will auf Gran Canaria den grössten "Leuchtturm aus Brot" erbauen. Leuchtturm aus Brot - erinnert mich irgendwie an Helge Schneiders "Bonbon aus Wurst". Bizarromann, geh' Du voran! Wo soll das bloss alles enden???? Operation Mindfuck bricht sich ungehindert Bahn!

 

Gleicher Tag - anderes Programm: Ich sehe eine Werbung, die uns weissmachen will, in Deutschland, diesem Fastdrittweltland im Würgegriff der Lobbyinteressen, hätte noch jemand soviel Geld, seinem Überstunden leistenden Liebsten einen Sahnepuddig für 80 Cent mit einem Fahrradkurier für 15 Euro plus x in's Büro schaffen zu lassen. Es ist ja eine Sache, sich von der Werbung eine unreale Welt zeichnen zu lassen - wahnsinnig sportliche und erfolgreiche Karrierefrauen, die als Chefsekretärin einer Baufirma arbeitend, fast den Verstand verlieren, weil sie entkoffeinierten Kaffee-light saufen... aber blöden Sahnepudding per Fahrradkurier in's Büro zu versenden... das ist ja selbst dem 08/15-Fernsehnutzer zu hanebüchen!

 

Hanebüchen ist das Stichwort. Es lässt einen erschaudern, was einem vor allem private Sender an der Titelfront zumuten. Was für schöne Fernsehfilme mit kaum plakativen Bezeichnungen liessen sich noch drehen?! Ohne Blick in den Titelschutzanzeiger, fielen mir schon vor mehr als sechs Jahren diese Titel ein - es muss halt nicht immer Nathalie, Endstation Glückrad sein. Oder wie ich in meiner Erstschrift ausführte: "(...) Er dachte an den gestrigen Kinofilm, dieser ließ ihn weinen, zum ersten Mal seit R2D2 von einem imperialen Laser getroffen wurde: Schlaflos in Seattle. Im Halbschlaf dämmerte ihm, das man daraus auch was europäisches machen könnte - nicht romantisch, sondern ohne Happy End, im Höchstfall eine goldenen Palme einfahrend:"

 

-Sediert in Stuttgart
-Sudet in Saarlouis
-Sitzengelassen in Schleswig
-Sackjucken in Schwenningen
-Sympathieverlust in Sedan
-Syphilis in Sossenheim
-Symbolbeladen in Sachsen-Anhalt
-Satanisch in Schwerin
-Sekundant in Straßburg
-Sauereien in Schlesien
-Silberzüngig in Sarajewo
-Senfgas in Salisbury

 

Vielleicht sollte ich Harald Schmidt eine kurze Nutzungsvereinbarung per FAX zukommen lassen, bevor ich diese Ideen wieder in ein paar Tagen in der Glotze sehe.

 

Hmmmh, was soll man von einer völlig verunsicherten Nation halten, die die buchstabengewordenen Ergüsse des kickenden Dieter Bohlen, Stefan Effenberg, für Literatur hält. Immerhin auch für ihn gilt: Mann muss den Hut ziehen vor diesem bemerkenswerten Marketingtalent! Stefan E.: Die Sache mit dem Elfmeter aus dem gladbacher Kreispokal hat er sich wohl nicht zu veröffentlichen getraut... nur das man mit der Pressekonferenz der effenbergschen Buchvorstellung auf Phoenix, ausgerechnet auf Phoenix, behelligt wird, halte ich für den intellektuellen Schiffbruch der War-mal-Spassgesellschaft. Erwachet!

 

Nicht nur "das" Fernsehen ist der Tod der Tradition: Es sind auch mannshohe fränkische Playmobilfiguren mit Fürther Trikot - die Rückkehr des Plastikjedermanns. So ist es halt: Für Traditionen kann man sich leider nichts kaufen. Schlaflosigkeit gebärt Kopfschmerz, enorm pochenden Kopfschmerz. Und zwar in Form einer 3sat-Wiederholung einer Fliege-Talkshow vom 21. März 2003. Er begrüsste die Zuschauer mit den Worten: "Guten Tag, meine Damen und Herren, schön, daß sie eingeschaltet haben. Ich bin Jürgen Fliege , und es ist Krieg." Wie Anonymus damals schon richtig bemerkte, dies war "das EXAKTE Gegenteil von Kafkas zartem, ergreifenden Tagebucheintrag vom 02. August 1914: 'Deutschland hat Rußland den Krieg erklärt. Nachmittags Schwimmschule.'". Ich schrieb schon in Kolumne 12: "Ich habe den Antichristen gesehen. Am Kiosk: "Fliege - Die Zeitschrift" jetzt auf dem Markt . Dann doch lieber fernsehen, beispielsweise Neun Live. Denn: "Wenn's die Politik schon nicht packt, nimmt sich jetzt der TV-Sender Neun Live dem Problem der Arbeitslosigkeit an. Dort sollen künftig Zuschauer telefonisch bestimmen, wer aus einer Gruppe von Arbeitslosen einen ausgeschriebenen Job bekommt." Medien als vierte Gewalt?! Nee! Eher: Werteverfall on the rocks!" Und das sage resp. schreibe ich immer noch ohne Groll! Jedes Land bekommt das Fernsehprogramm, das es verdient!

 

Warum habe ich eigentlich noch nie versucht, wie andere es tun, angetrunken Rilkes "Panther" in's Englische zu übersetzen...??? Naja - es gibt immer noch Menschen mit Idealen ;-) Cölbe scheint das Zentrum alternativer Geisteswelt zu sein. Vielleicht sollte ich es mal mit "Lieber alles" vom charmanten Joseph von Eichendorff probieren. Dieses Gedicht ist derzeit mein Liebstes:

 

Lieber alles

Soldat sein, ist gefährlich,

Studieren sehr beschwerlich,

Das Dichten süß und zierlich,

Der Dichter gar possierlich

In diesen wilden Zeiten.

Ich möcht am liebsten reiten,

Ein gutes Schwert zur Seiten,

Die Laute in der Rechten,

Studentenherz zum Fechten.

Ein wildes Roß ist's Leben,

Die Hufe Funken geben,

Wer's ehrlich wagt, bezwingt es,

Und wo es tritt, da klingt es!

(Joseph von Eichendorff)

 

Studentenherz zum Fechten: Heute Un- und Halbwissen in komprimierter Form bei Richter Alexander Hold, Mittwoch, 14. Mai 2003 gegen 16.40 Uhr. Ich rufe in der Werbepause auf dem Corpshaus an und gebe den Programmhinweis weiter: "Schaut mal nach der Werbung Sat1, Richter Alexander Hold. Da ist gerade Werbung, eben beim Trailer haben die zwei Mutanten mit Bändern gezeigt, das wird bestimmt amüsant!" Nach einem "Duell" wird der 24jährige Jurastudent Timo Kuhlmann von der Burschenschaft Gravinia Marburg angeklagt. [Muss es denn Marburg sein? Jetzt muss ich diesen miserabel recherchierten Dreck wieder bei Hinz, Kunz und Familie ausbügeln!]. Er soll ein "Duell" mit einem Mitglied des Corps Flandria [leider auch: Marburg] ausgetragen haben, bei der dieser eine Wunde erlitt, die "chirurgisch versorgt werden musste". [Wie albern, der Bubb hatte noch nicht mal 'nen Hirschknopf miteingenäht.] Es ging um eine schminktechnisch herausgeforderte [giftgrüner Lidschatten! Aua-aua-aua!] Dame namens Ruth, gebürtig aus Bebra [müssen die jetzt auch noch Waldhessen mit Lehm beschmeissen? Alma Mater Philippina allein reicht wohl nicht?!] Beide hatten ein (Pauk?)Verhältnis mit Ruth-"Jungs aus der Verbindung reizen mich wirklich!"-Förster. Die Justizler reden permanent von Degen, mit denen die Mensur ausgetragen wurde, die beiden Paukanten von Säbeln! [Herr, bitte wirf Hirn herab! Biiiiiiiiiiiiiiitte!] Dann geht's Schlag auf Schlag: Der Corpsstudent hat "aufgegeben", der Buxe hatte 'nen Hieb nach Halt, der Darsteller des Corpsstudenten einen miserabel geschminkten Schmiss auf Quart unterhalb. Dann - nach der Zeugenaussage von Ruth - spitzt sich die Dramatik in's nahezu Unerträgliche zu: Sie ist schwanger... und weiss nicht von welchem der beiden Buben! Einer Erbkrankheit wegen hat sie einen Test machen lassen, traute sich aber nicht, die Abstammungsanalyse selbst zu öffnen. Dies überläßt sie dem Kameraden Hold, der den Umschlag öffnet. And the Winner is.... Timo! Der burschenschaftliche Vater marodiert kurz rum, dann folgen die Plädoyers, das Ende vom Lied ist: 5 Monate Freiheitsstrafe für Buxenmann wegen gefährlicher Körperverletzung, die zur Bewährung ausgesetzt werden. Ferner muss er an den Flamen 3000 EURO Schmerzensgeld zahlen. Der Rechercheur hat's schwör, meine Herren! Demnächst werde ich Schweinekohle machen, in dem ich alberne Theaterschmisse auf eBay für 3000 Taler verticke. Ferner - und zwar als pars pro toto - der Leserbrief, als ich noch die Kraft hatte, mich über schlechtrecherchierten Scheiss aufzuregen. Das ist vorbei. Humor ist, wenn man trotzdem lacht! Und frohen Mutes bleibt. Weitere Infos und Beiträge werden sich unter news:de.soc.studium.verbindungen finden.

STELLENANZEIGE:

 

Leistungsbereiter Fuchsmajor
sucht
nach mehrwöchiger Arbeitslosigkeit verantwortungs- und anspruchsvolle Tätigkeit in der Erwachsenenbildung!

 

Es bleibt bei der alten Binsenweisheit: Der Optimist glaubt wir leben in der besten aller möglichen Welten. Der Pessimist befürchtet, daß das stimmt. So ist es auch mit dem Fernsehen und dem Allgemeinbildungsauftrag: Eine Freundin von mir hatte das geldwerte Privileg, beim Borussenfreund Matthias Opdenhövel (dem bekannten Schriftsteller, Moderator und Schöngeist), auf SAT1 ein paar Fragen zu beantworten. Sie schrieb: "Empfehle dringend, am Mittwoch, 21.5.2003 und Donnerstag, 22.5.2003 um 19:30 Uhr "Die Quiz-Show" auf Sat 1 anzusehen!!!! (Vielleicht auch den Videorecorder anwerfen). Es gibt was zu lachen." So sei es: Gefangen in der Wortspielhölle von Heiko Schomberg oder eben auch der anderen Gruppierungen ;-) Aber während ich diese Kolumne erstelle, versöhnt mich das Frühstücksfernsehen mit folgender Feststellung: "Der Niederrheiner neigt traditionell zum Optimismus, das bringt die Überschaubarkeit der Landschaft vielleicht mit sich." (aus einem Bericht über die Geflügelpest in Viersen... man muss sich nur die wertvollen Bausteine des Audiovisuellen herauspicken!)

 

 

 

 

Ich wünsche Euch heute Abend eine schöne Probekneipe und dass Ihr Euch auch gut merkt, wie so ein Landesvater funktioniert.... und nicht in's Däumchen stechen.... Euer Schomberg.

 

 

P.S.: Lieber Froebe: Wenn Du mir überzeugend darlegst, warum Kafka nach Deinem Dafürhalten ein österreichischer Schriftsteller war, gibt's als virtuellen Anerkennungsschluck "The Fiese Worte strikes back!".