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.... auf Schienen (III)



Fotographie des Tatorts, an dem der Gehirnentzug stattfand, kurz nachdem die Mutanten in Siegen - der ewige Alb - den Zug verliessen. Mehr Handlichbilder, meine "digitale Notizkladde" (CAFH), findet Ihr [hier].


"Schön ist es hier nicht, aber um Schönheit geht es auch nicht. Es geht um das Leben und darum, wie man es am besten durchsteht, mit Hilfe einer Halben Bier und einer Wirtin, die zuhören kann. Es geht ums Gewinnen und Verlieren, wie es im kleinen beim Kartenspielen geübt wird." (aus: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.05.2004, Nr. 116 / Seite R1)

 

Wie in ".... auf Schienen (II)" annonciert, bin ich Euch ja noch die detaillierte Beschreibung des Naturwissenschaftlerinnengeräuschterrors schuldig. Dies will ich nicht versäumen in dieser Ausgabe nachzuholen. Wir erinnern uns, es begann mit dem wunderbaren Zitat: "Ei, was wolle' die ganze' Studente' hier im Zug - was mache' die hier? Die solle' studiere'!" (Ich werde das mittelhessische Idiom echt vermissen...). Damit wollte die Dame ausdrücken, dass ihr der RSE einfach zu voll war. Ich teilte diese Meinung, es war auch noch sehr warm, aber das war alles ein Kindergeburtstag gegen das, was geschah, als SIE, die Geräuschterroristen, das Abteil betraten. Ab da war gnadenlose Gehirnkirmes angesagt!

 

Aber der Reihe nach [Giessen]: Auftritt der beiden Naturwissenschaftlerinnen im proppenvollen Regionalexpress, beide im 01. bis maximal 03. Semester - aber die Lebenserfahrung und das Curriculum mit Löffeln gefressen - und auf dem Weg nach Hause. Ich hatte direktemang ein ungutes Gefühl. Und das lag nicht an den geruchsintensiven Speisen, die sich sich von der Giessener Dönerbude mitgebracht hatten und die ob der Hitze einen stärkeren Geruch als sonst entwickelten, nein, es lag an Ihrem Äusseren. Zu dünn, zu blass, zu unmodisch aber nicht klassisch-britisch gekleidet. Sie strahlten etwas aus, was ich nicht beschreiben kann, was aber durchaus mit ihrem Gesprächsmarathon Giessen-Siegen korrespondierte. Einfach ein ungutes Gefühl - eine Gehirnbedrohung, die man ahnte. Dann ging es, unterbrochen durch Kau- und Schmatzgeräusche los, die Gehirnkirmes setzte sich in Fahrt: Als Amuse Gueule wurde belanglos über Versuche, Werte, Brennweiten, Achsen und Ausgleichsgeraden gesprochen. Mathematikerinnen? Physikerinnen? Auf jeden Fall eine mir fremde Welt - trotz des schwabentypischen Blicks über den fachlichen Tellerand. Es waren ihre hohen & unangenehmen Stimmen die den Gesamteindruck abrundeten. Schon nach einer Minute haben sie mich zu folgendem Tagtraum getrieben: Ich sehe beide böse an und sage mit ruhiger, tiefer Stimme:

 

"Sagt mal, ihr studiert doch in Marburg, oder? Sagt mir bitte in welchem Fachbereich! Dann sorge ich beim Ministerium in Wiesbaden dafür, daß dieser Fachbereich am Standort Marburg mit Stumpf und Stil ausgemerzt oder mit der Uni Greifswald - am Standort Greifswald - fusioniert!"

 

Keine Traute dazu gehabt, es laut zu sagen. Leider. Die Stimmen und Dialoge fräsen sich minütlich tiefer & tiefer in mein Hirn. Ich versuche den Schrecken Ihres Studiengangs zu ergründen. Es sind scheinbar keine Physikerinnen oder Chemikerinnen es sind PHARMAZEUTINNEN! Man - Bechmann ist also echt durch die Hölle gegangen! Erst jetzt, nachdem ich dies von Giessen bis Siegen durchmachte, weiss ich seine Lebensleistung (besser: ÜBER-LEBENSLEISTUNG) richtig einzuschätzen und zu würdigen! Chapeau Bechmann, Du hast wirklich cojones! Und ich beschloss: Die Nutzung der Abkürzungen "Thermi" und "Toxi" - mit betont hoher, kieksiger Stimme - stehen bei mir ab sofort unter Todesstrafe!

 

Sie berichten - ambivalent-verliebt - über ihren "alten" Tischbremser, der schon fast Mitte zwanzig sei (!), über die Eifersüchteleien bei Versuchen, dass alle anderen immer ihre Versuchsprotokolle abpinnen wollen und die gnadenlose Inkompetenz der anderen Studenten; sie beweihräuchern sich in einer Art und Weise, wie ich das normalerweise nur für "Schombergs Welt" zulassen kann! Ah, bei Dillenburg glaube ich hinter ihr schreckliches Studienfachgeheimnis gekommen zu sein: Sie sind Biologinnen. Das Fach ist in Marburg sofort und ohne Gefangene zu verbieten!  Und es geht weiter: Es fallen circa 20 Vornamen von Männlein und Weiblein, und bei jedem gibt es erst einmal ein laut vorgetragenes Dossier über Persönlichkeit, Sozialkompetenz und Studienvermögen. Dann, als alles verloren scheint, beginnen sie ihr Geraffel zusammenzupacken. Ab Siegen habe ich also die Gelegenheit, ohne Rauschen und Fremdtöne ein Nickerchen zu halten. Denn ich war auf dem Weg an den Niederrhein, "(...) wo der Blick ewig sucht und nichts findet. Spießig, tiefschwarz, unbeweglich - vielleicht. Katholisch, bodenständig, rheinisch - auf jeden Fall." (Stefanie Bolzen in der WELT am 21.05.2004). Obwohl meine Nerven zwischen Hessen und Siegerland auf eine harte, nahezu unmenschliche Probe, gestellt wurden, gelang es mir durch Kampfdösen erholt in MG anzukommen. 

 

Zwei Tage bevor ich diese Kolumne einstellte, hatte ich noch ein bizarrobemerkenswertes Erlebnis am Frankfurter Hauptbahnhof, welches ich loswerden muß. Zuerst glaubte ich an einen Hörfehler, dann jedoch an eine Verschwörung: Ich lese in einer Obdachlosenzeitung namens "Soziale Welt - Die unabhängige Frankurter Strassenzeitung" (sic!) einen Artikel über Freimaurerlogen (sic! sic!), da kommt die skurrilste Verspätungsmeldung, die ich meinem reichhaltigen Verspätungsportfolio bis dato hinzufügen konnte: "Wegen Verschwinden des Eingangszuges wird sich die Ankunft um 5 bis 10 Minuten verzögern." Da bleibt noch nicht mal mehr Platz für Furcht! Ich blickte mich verstohlen zweimal um, die anderen Menschen sahen aus wie immer und ich fühlte mich auf einmal sehr alleine!

 

 

Mit schleichender Angst vor der Zahl "23" & einem zackigen "Timmöööööööööööööööööööööö!" grüsst Euch Euer Schomberg (Schieneast der 1. Stunde) und wünscht u.a. Frohe Pfingsten und viel Spass in Bad Kösen!