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Manieren!



Manieren, Erfolgsausgabe von Prinz Asfa-Wossen Asserate, erschienen bei Eichborn (Oktober 2003), die gebundene Ausgabe (392 S.) kostet EUR 22,90,--. Demnächst auch als Hörbuch erhältlich!


 

"Ja leck mich doch am Arsch, wenn das nicht meine alte Benimmlehrerin ist!" (Anonymus)

 

Ich bin ja stets und manchmal amateurbesessen auf der Suche nach neuem Kolumnenstoff (1) - so sehr, wie ich "Manieren" mittlerweile, nach dem zweimaligen Lesen und be-greifen - für die kulturelle Bibel des beginnend raumgreifenden  21. Jahrhunderts halte. Was lag also näher, als diese Kolumne zu erstellen - eine ganz profane Inhaltsangabe des Grosswerkes und ein paar Bewertungen aus berufenerer (?) Feder, dessen erste Auflage schnell ausverkauft und hoffentlich, hoffentlich, hoffentlich zum Renner des Weihnachtsgeschäftes wird! Oh Gott, ich bin zum Lohnschreiber im Non-Profit-Bereich mutiert. Watt soll's! Man merkte zwar an der ersten Auflage, dass man gezielt auf die Buchmesse hin produzierte - dem Zeitdruck ist es wohl zuzurechnen, dass einige Lektorats- und sonstige Flüchtigkeitsfehler in der Erstausgabe zu finden sind. Leider erhielt ich auf meine Korrektur-eMail nie eine Antwort. Tja, so sind es die Leidenschaftlichen gewohnt, Undank ist der Welten Lohn, die alte Berg-Prophet-Kiste (der Rest folgt in einer zu schreibenden Platitüden-Kolumne)... In eMails wurde mir schon die letzte Kolumne als "prototuntiges Manierengehabe" ausgelegt, und nachgelegt wurde mit "DEIN STÄNDIGES INTELLEKTUELLES GROUPIETUM RE: DER KLEINE PRINZ MIT DEN GROSSEN SCHULDEN!!!!". Was wird der betreffende Alternativgeistler erst hierzu, zu einer Manieren-Themenausgabe,  sagen?!?! Und hat er tatsächlich diese Passage in der FAS, die ihm sonst zu bunt, zu poppig und zu schnell ist, gelesen, dass  "(...) in Frankfurts besseren Kreisen, zu denen auch Asfa-Wossen Asserate sich seit vielen Jahren schon zählen darf, dieser Tage gern die Bemerkung fallengelassen wird, der Autor von 'Manieren' habe sich nicht ohne Grund ein Kapitel über Geld oder den Umgang mit Gläubigern erspart, scheint da doch etwas kleinlich." Mannomann - wenn ich so überlege, bin ich ein richtiger Groupie (ist das die männliche Form? s.o.) geworden - und mache massiv Werbung für dieses bemerkenswerte, intellektuelle + gedankenklare Kopf-CurryKing-Produkt. Und werde dafür noch nicht einmal bezahlt. Ach, bevor ich es vergesse: Die URL des alten König des exquisiten Geschmackes  (nein, diesmal nicht Prinz Asfa-Wossen Asserate von Äthiopien) Volker Reiche und seinem STRIZZ-Comic aus der Fäzz [wie wir cool people sagen ;-)] lautet http://www.strizz.de/. Vielleicht sollte ich mit dem Schreiben von Kolumnen aufhören und eher in diese Grauszene einsteigen?! Wenn - hätte - sollte: Ich habe mir vorgenommen, dieses essayistische Grosswerk in einer Kolumne zu würdigen, in der ich auch zum Kauf (Weihnachten!!!!) aufrufe - und es ist mir drissejal, ob es den Lesern gefällt oder nicht. Denn es ist ja häufig genug noch so, wie es in "Krauses Klartext" (15. November 2003) formuliert wurde:

 

"(...) 'Im Deutschen lügt man, wenn man höflich ist', lässt Goethe bekanntlich seinen Studenten im 'Faust' sagen, und dabei ist es im wesentlichen bis heute geblieben: Das Höfliche, Höfische, die Welt des Zeremoniells und Rituals gilt hier zu Lande als Verstellung und Künstlichkeit. Wer so denkt, der muss im tiefsten seiner Seele die Zurichtungsversuche durch Benimmbücher als Selbstentfremdung ablehnen. Daher sollte man ihm vor allen einzelnen Verhaltensmaßregeln erst einmal beibringen, Rollenspiel und Rollenwechsel zu genießen. Das freilich ist nicht zu haben durch eine fundamentale Unterscheidung, die gleichfalls Katholiken leichter fällt als Protestanten, die Unterscheidung zwischen weltlicher und göttlicher Sphäre. In der Welt wird gespielt. Wirklich wir selbst sein können wir nur vor unserem Herrgott."

 

Vielleicht gefällt mir an dem Buch, dass es "(...) nicht nur sprachliche, sondern durchaus auch gedankliche Eleganz ebenso erkennen läßt wie Nachsicht und Milde gegenüber dem Studienobjekt: dem deutschen Menschen." [Alexander Marguier in seinem Artikel "Der salomonische Kleinbürger" (Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 23.11.2003, Nr. 47 / Seite 63)] Ein angenehmer Nebeneffekt des Buches ist, das die Rezensenten und Kolumnisten, die sich der Publikation annahmen, dem Buch entsprechend SCHÖN schreiben! Und weil ich nicht will, dass Menschen mit Geschmack, die meiner Kaufempfehlung folgen, alte Freundschaften beenden, erinnerte ich mich meines Lebenshilfeauftrages von "Schombergs Welt" und rate dazu, das Buch mit folgendem Kartenvorschlag zu verschenken:

 

 

So könnte demnach eine Begleitkarte für dieses Buch aussehen:


Lieber / Liebe XYZ,

dieses Werk ist kein Ratgeber sondern meiner Meinung nach die "Bibel des beobachtenden Kulturkonservativismus"! Du wirst den Titel des Buches hoffentlich nicht missverstehen, ich sehe da keinen Optimierungsbedarf.


Falls doch:

 

Spätestens nach ein, zwei Kapiteln wird Deine anfängliche Skepzis wie weggeblasen sein und in totale Begeisterung umschlagen. Solltest Du uns / mir nach Weihnachten das Geschenk immer noch übelnehmen, dann hast Du das Buch einfach nicht gelesen!!!!


"Sach' ma' Onkel S., worum geht es eigentlich in der Essaysammlung Manieren?!?!"

 

Es geht um:

Ernst Jünger und Paris (S.20) | Politiker, Wahlen und Lügen (S. 24) | Das Grab Christi befreien (S. 25) | Ehre + Ehrenamt (S. 35f) | Aufmerksamkeit und Nachlässigkeit (S. 39 und 42) | Europas Pfeiler „Anmut und Demut“ (S. 45) | Antiintellektuelle Atmosphäre (S. 47) | Die Dame, Faust II (Der Ritter UND die Dame) (S. 54 - 56) | Sprachfaschismus (S. 60) | Den Herrn (S. 64) | Grosszügige Gefallen (S. 65) | Stiefelwichsen im GuLAG (S. 65) | Vulgäre Millieus (S. 67) | Das Herren-Gesetz (S. 68) | Corpsstudenten und Ibiza! (S. 76) | Knotentanz (S. 89) | Unpünktlichkeit (S. 105) | Warten im Vorzimmer (S. 106) | Prousts Recherche als unendliche Quelle an Manieren (S. 108) | Ausschluss aus Riten (S. 113) | Bewunderung für das Alte (S. 116) | Ennui und Malheur (S. 123) | Wettfurzen bei Hofe (S. 124) | Den Lob des Spiessers (S. 127) | Den Feind der Manieren (S. 128) | Lachsersatzbrötchen und Currywurst (S. 132) | Unfähigkeit, sich schuldig zu fühlen (S. 134) | Definition von Vulgarität (S. 136) | Die Grobian-Fraktion (S. 139) | Weisse Corps: Das Warum! (S. 143) | Herbe Herrschaften versus herrische Herbschaften (S. 143) | Antiintellektualismus, 2. (S. 143) | Philister (S. 144) | Projektionsfläche Ghetto (S. 145) | Widerstand gegen die Mode (S. 149) | Dresscode des Unmodischen (S. 149) | Sowjetunionbashing und die Jeans (S. 151) | Ein Vuitton-Koffer-Beispiel (S. 151f) | Umgang mit Hauspersonal und Dienern (S. 153) | Wer steht im Livree da? (S. 157) | Darsteller von Dienerschaft (S. 157) | Elegante, bargeldlose Frauen (S. 158) | Jugend nahe der Linken (S. 159) | Die Begrifflichkeit „Untergebene“ versus „Mitarbeiter“ (S. 160) | Chefs alten Schlages, die Verantwortung übernehmen (S. 160) | Nachteil(e) der Demokratie (S. 161) | Demütigung in „lässiger“ Atmossphäre (S. 162) | Betriebsfeiern als „sozialer Besitzstand“ (S. 162) | Distanz, die Byzantinismus verhindert (S. 163) | Umgang mit Feinden (S. 164) | Totale Feindschaft und märchenhafte Manieren (S. 165) | Pariser Vorortverträge (S. 166) | Feinde in Gesellschaft gehen sich aus dem Weg (S. 167) | Entlassung der Periöken (S. 168) | Die gewagte These, es gäbe keine Erbfeindschaft in Europa (S. 168) | Afrikanische Äquivalente zur Erbfeinschaft (S. 168) | Völkermord (S. 168) | Unerhörtes: Ein Feind revoziert (S. 169) | Wo sind heute Manieren anzutreffen (S. 171) | Funktion des Adels (S. 172) | Der Sog ästhetischer Primitivisierung (S. 173) | Gide über EINFACHHEIT (S. 174) | Besonderheit des deutschen Adels (S. 175) | Vorbildfunktion des Adels (S. 176) | westliche Kommunisten – die Zwänge abwerfen (S. 177) | Der revolutionäre Comment (S. 177) | Buchtip: Kommunistischer Knigge (S. 178) | Sitzplatz anbieten (S. 180) | Kleidung: vier wichtige Unterpunkte! (S. 182) | Trachten: Kleidung für Seperatisten, Katholiken & Reaktionäre (S. 183) | Malteser haben die schönste Uniform (S. 184) | Der dunkle Strassenanzug (S. 185) | Ordensverleihungen ohne Frack (S. 186) | No browns after 6 o’clock (S. 188) | Grosses Fischer-Bashing (S. 189) | Künstlerschwarz (S. 189) | Die Mode des Proletariats (S. 190) | Die JOGGINGHOSE – das demokratischste Kleidungsstück (S. 191) | Welches Staatsbild entspricht dem Unisex-Jogginganzug? (S. 192) | Minirockanekdote (S. 192f) | Horrorausblick Jogginghose! (S. 194) | England: Die Sprache als Klassenmerkmal (S. 195) | Dialekte im Deutschen und „anständiger Kerl sein“ (S. 197) | „Wo gibt es das makellose Hochdeutsch?“ (S. 198) | Bayern spielen gern den Bauern (S. 199) | Beispiele für deutsche Dialekte (S. 199ff) | Köln, das deutsche Neapel (S. 201) | Piesen = Spiesser! (S. 205) | Rinderlendenschnitte (S. 206) | Der BEKANNTE (S. 207) | Bücher in Gästezimmern (S. 210) | Erfindendes Lexikon (S. 212) | "Negerbayerngruss" (S. 213) | „Grüss Gott!“ <-> „Guten Tag“ (Deutschland verstehen!) (S. 214) | Sack’sche Kontaktallergie (S. 217) | Die Akkolade (S. 217) | Gesellschaftliche Küsse (S. 219) | Verneigungen (S. 220) | Der HUT (S. 220f) | Namensschilder (S. 221) | Namensschilder VERWEIGERN! (S. 222) | Vorstellungen (S. 222) | Visitenkartenzeremonien bei Kommunistens (S. 224) | Antrittsbesuche (S. 226) | „Wir“ versus „Ich“ (S. 228) | SIEZEN! (S. 230) | „lakedämonische Kampfgemeinschaften“ (S. 233) | Das corpsstudentische „Du“ (S. 234) | Beischlaf ist keine Eintrittskarte (S. 236) | Verhältnis Eltern – Kind (S. 237) | Americanos! (S. 239) | Vornamennutzung bei Eltern + antiautoritäre Erziehung: Gescheitert! 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Was also zur Hölle sind Manieren?!?! Wozu is' de' Driss doar, ey?!

 

Dazu stellte Burkhard Müller-Ullrich in seinem Beitrag "Bloss nicht bequem werden", WELT vom 15. November 2003, richtig fest: "Wozu sind Manieren da? Zum einen sind Manieren 'das Parfüm, das vergessen lässt, dass wir stinken', zum anderen dienen sie dazu, 'die scharfen Kanten der grundsätzlichen Feindschaft zwischen allen Menschen ein klein wenig abzuschleifen, damit nicht gleich bei jedem Zusammenstoß Blut fließt'. Einerseits sind Manieren also etwas durchaus Aufgesetztes und besitzen axiomatischen Charakter, das heißt, es ist sinnlos, sie zu 'hinterfragen' oder über sie zu diskutieren, denn es handelt sich um mehr oder weniger stillschweigende, historisch gewachsene Vereinbarungen, an die man sich halten kann oder eben nicht. Andererseits verrät sich in guten Manieren auch Menschlichkeit, ja Moralität, denn sie zielen in jedem Fall auf Achtung und Rücksichtnahme ab. Wer Manieren hat, setzt sie ein, um seine Mitwelt zu schonen - selbst um den Preis gelegentlicher, nein: nicht Lügen, sondern diskursiver Umwege. [Hervorhebung HS] (...)"

 

"Diskursive Umwege"... tsetse.... c'est bon! Man kann das Buch "einfach so" - als gutgeschriebene Kultur- und Religionsgeschichte - konsumieren, man kann sich aber durchaus anwendbare Anregungen und Reflexionen holen. Das geht aber nur unter einer Bedingung: "Gesellschaftlicher Schliff und Gewandtheit setzen die Lust am Spiel voraus. Die Welt, das kann man sich gar nicht klar genug machen, ist eine Bühne. Andere, vorzugsweise katholische Völker saugen diese Erkenntnis mit der Muttermilch auf, und entsprechend lernen sie von früh auf, sich als Darsteller zu bewegen und zu geben. Deutsche wollen lieber beobachten. Ihnen fehlt, trotz aller Verwestlichung und Zivilisierung nach 1945, der Sinn für das Performative." ("Krauses Klartext", s.o.) Und so sehr er den Kern der (antifaustischen) Sache erkennt, so sehr scherte er deutsche Männer über einen Kamm, wenn er schreibt: "(...) Der deutsche Mann entwickelt nur dann Charme, wenn er Absichten hat. Spielt man ihm eine Frau zu, wird er erträglich. Bleibt er unter seinesgleichen, fällt ihm außer Fußball und Autos nichts ein." Grotesk, Herr Krause! Ich interessiere mich garnicht für Autos! Ich stelle sie hiermit unter Populismusgeneralverdacht!

 

Oder wie es der oben schon zitierte Alexander Marguier zu Papier brachte: "Man muß gewiß nicht religiös sein oder ein überzeugter Traditionalist, um Asfa-Wossen Asserates Buch über die 'Manieren' mit Gewinn zu lesen. Aber ein bißchen Demut vor der Vergangenheit kann gewiß nicht schaden, um besser zu verstehen, worauf der Prinz eigentlich hinauswill. [Hervorhebung HS] (...)"

 

Kritischer hinterfragt da schon der Schreiber folgender Prä-Kolumnen-eMail aus dem Zentrum alternativer Geisteswelt: "(...) Wärest Du auch so begeistert von dieser ganzen 'Manieren'-Scheiße, wenn der Autor des Buches nicht Prinz Asfa Wossen-Asserate von Äthiopien, sondern Otto Pachulke aus Berlin-Wedding wäre? Oder verbirgt sich hinter Deinem ganzen Hype nicht vielmehr des deutschen Bürgertums ewig unerfüllte Love-Story mit dem Adel? In Deinem Falle ausgelebt nicht in Form von Groschenromanen á la 'Graf Leberecht und die schöne Wäscherin' oder 'Kabale und Liebe', sondern notdürftig bedeckt vom bildungsbürgerlichen Mäntelchen der 'FAZ'. Hoffe, Deine Kolumne wird das mal beleuchten."

 

Darf man sich nicht einfach mal über eine "schöne Schreibe", das Beleuchten einer vergangenen (?) Welt und "L' art pour l' art" freuen?! Strebt man nicht stets nach dem, was man nicht hat?

 

Gerade im corpsstudentischen Umfeld muss das Buch ein Schlager werden, gibt es dort doch einen regen Austausch zwischen Deutschland und der Republik Österreich. Oder wie Ulrich Weinzierl, der Wiener Feuilleton-Korrespondent der WELT, es am 14. November 2003 in seinem Kommentar "Manieren" euphorisch würdigte:

 

"Als Wiener bin ich, kein Wunder, befangen, fast bestochen - finden da doch austriakische Altertümlichkeiten im Gesellschaftsleben, vom Handkuss abwärts, gebührende Würdigung. Außerdem werden als Kapitelmotto einige meiner Lieblingssätze Heimito von Doderers zitiert: 'Ich halte jeden Menschen für voll berechtigt, auf die - von den Ingenieursgesichtern und Betriebswissenschaftlern herbeigeführte - derzeitige Beschaffenheit der Welt mit schwerstem Alkoholismus zu reagieren, soweit er sich nur etwas zum Saufen beschaffen kann. Sich und andere auf solche Weise zu zerstören, ist eine begreifliche und durchaus entschuldbare Reaktion. Wer nicht säuft, setzt heutzutage schon eine beachtliche und freiwillige Mehr-Leistung.' [Hervorhebung HS](...)" 

 

Eine sehr transalpine Sichtweise, aber dennoch schön. So, damit habe ich jetzt endlich meine Manieren-Ausgabe und das Hochlebenlassen des Unparteiischkeitsprinzen (stärke mich!) ein für allemal beendet und widme mich im Hintergrund meiner neuen Aufgabe: Dem völlig distanzlosen und rückhaltlosen Wolfgang-Siebeck-Hyping...

 

 

Uns allen noch eine besinnliche Adventszeit und schöne Weihnachtsfeierlichkeiten bei u. lb. Suevia - mögen sie manierlich verlaufen ;-), Euer Schomberg (Initiator der 1. Botho-Strauss-Lesung im Vereinsheim des FV Cölbe)

 

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(1) Das, was mir an Materialien und Ideen zugespielt wird, ist bis auf wenige Ausnahmen entweder nicht frei (= über 18 Jahre) veröffentlichbar oder von mässiger Qualität. Deshalb der erneute Aufruf, mir Miniaturen und oder Ideen zuzusenden! Ich kann doch nicht immer alles alleine machen! Ach, was soll's! Ist ja eh alles egal. Es gibt neue & stylishe Mainzelmännchen. Sigmar Gabriel ist immer noch Popbeauftragter. Harald "Fernsehgott" Schmidt ist bald weg vom Fenster. Um ihn + seine Zukunft muss man sich keine Sorgen machen. Doch der Geschmack des Platten, des Ordinären bleibt: Das Nichts nichtet. Und Platthaus hat recht: Das Fernsehprogramm wird wirklich immer schlechter!