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Eine Zensur findet auf Halligen nicht statt!



When your world is full of strange arrangements / And gravity won't pull you through / You know you're missing out on something / Well that something depends on you (ABC)



 

In dieser immer mehr auf den Vereinzelten, auf seine Bedürfnisse zugeschnittenen Welt, die die leere Worthülse Selbstverwirklichung zum goldenen Kalb erhoben hat, ist es unser Auftrag, Alternativen aufzuzeigen und anzubieten. O.K., Rock'n'Roll:

 

Amicus certus in re incerta cernitur!

 

Heute möchte ich eine kleine Geschichte erzählen. Die meisten von euch kennen Halligen. Halligen sind Marschinseln vor der Westküste Schlewig-Holsteins, auf denen sich Himmel und Horizont berühren. Sie entstanden nach Sturmfluten im Mittelalter durch Schlickablagerungen. "Nach dem Untergang Rungholts im Jahr 1362 veränderten Sturmfluten ständig das Gesicht der nordfriesischen Uthlande. "Was dem einen seine Atlantis-Uhl, ist dem andern seine Rungholt-Nachtigall!

Es wohnen wenige Menschen auf Halligen, jeder kennt jeden, eine intakte Soziokultur, man hat Traditionen herausgebildet, die bei den meisten Festländern zumindest Unverständnis, wenn nicht sogar Feindseligkeit auslösen. Zwar sind die zum Teil überalterten Halligbewohner Neuerungen gegenüber nicht verschlossen, doch werden diese kritisch geprüft und beäugt. Das Meer und die Naturgewalten erfordern Zusammenhalt, Solidarität, gegenseitige Hilfe. In jeder Situation. Zum Schutz vor Überflutung stehen die Gebäude auf künstlich aufgeworfenen Erdhügeln. Bei Landunter, wenn die Nordsee ("German Ocean aka Northsea") Halligland überflutet, ragen nur noch diese Warften aus dem Meer. Und wenn die Sturmflut kommt, alles bis auf die Warften überschwemmt ist und man als einzige trockene Rückzugszone nur noch die höher gelegenen Häuser hat, wird nicht resigniert - nein, dies ist der Anlaß zu den oft lustigsten Festen. Doch es ist keine "Bunkermentalität", es ist der Willen zum "tapferen Trotzdem"! Die prüfenden Bewohner haben nie den Kontakt zur Außenwelt verloren - dies obwohl es wenige sind, die sich entschließen auf eine Hallig zu ziehen. Die Neusiedler werden genau beobachtet. Die, die sich zum bleiben entschließen, haben eine, eben dieser oberflächlichen Festlandaußenwelt schwer vermittelbare, Gemeinschaft gefunden, in der sich alles durchstehen läßt. Und man versteht sich über Parteigrenzen hinweg. Kneipenunterhaltung bei Tee mit Rum, 10.00 Uhr in der Früh, der beiden Ortsvorsteher:

Alfred Schomberg: "Eine verrückte Welt, in der man sich über das Direktmandat von Christian 'Sympathieträger' Ströbele freut, nur weil er damit die PDS verhindert hat."

Heiko Tetzlaff: "Nicht wahr, die Welt ist aus den Fugen, einst haben die Briefwähler noch der CDU genützt. Wer schreiben und lesen konnte hat früher nie SPD gewählt". Tja, so war es....Les yeux sans visage! Sie waren beide im Selbstgeißelungsmodus unterwegs....

Ersten Wohlstand brachten die Männer als Seefahrer, Friseure und Walfänger auf die Halligen. Doch mit der christlichen Seefahrt ist es nicht mehr weit her und als Nichtjapanonorweger hat man's als Walfänger nicht leicht - eher als Rattenfänger.... Man lebt von Fischfang und Viehwirtschaft, der Tourismus spielt mittlerweile auch eine nicht zu unterschätzende Rolle, die schleswig-holsteinische Landesregierung jedoch will Alt wie Jung ständig zur Aufgabe der Halligen und Umsiedlung bewegen; sie ist jedesmal überrascht, wie sich die Fischer und Bauern vehement dagegen wehren. Und dann gibt es ja auch die Lichtblicke. Man entdeckte neue Erwerbsquellen, zum Beispiel den Tourismus. Und das Siedeln geht weiter. Und alle Welt ist überrascht, daß die Bewohner es wieder geschafft haben, ihre Welt zu verteidigen zu erhalten- nein mehr, zu neuem Wuchs und Reichtum zu verhelfen. Nach der schweren Sturmflut von 1968 wurden Warften verstärkt und neue, sichere Gebäude errichtet sowie der Anschluss an die öffentliche Wasser- und Stromversorgung hergestellt.

Dort werden "Kinder" noch "Kinder" genannt und nicht "kleine Menschen", die Eltern werden nicht mit dem Vornamen angeredet und niemand spricht von "HalligbewohnerInnen". Dennoch sind sie modern und verfolgen genau, was um sie herum passiert. Leider fordert die feindliche See ab und zu ein Leben - das Meer verschlingt sie oder ihn einfach. Doch dies bestärkt die Bewohner nur, ihre Hallig niemals aufzugeben, sondern dort zu bleiben und noch härter zu schaffen. Vergebung ist eine himmlische Gabe. Es löst manches aus, Bewunderung, Verstörung, ungute Tag- und Nachtträume. Auch unlängst hatte der kommunistische Gegenspieler des Ortsvorstehers Tetzlaff einen Albtraum, den er prompt beim Frühschoppen kundtut:

"Rainer Werner Faßbinder und Joseph Beuys im Luftkampf (Dog-Fight over Bonn) um die künstlerische Deutungsmacht in der alten Bundesrepublik. Faßbinder verliert, aber beide stürzen ab. Die sieben Zwerge finden sie und pflegen sie gesund, es merkt bloß niemand. Ich sehne mich nach Helmut Kohl und gehe jetzt zum Zahnarzt." Ja, wahrhaft ein Alb in Acryl!

Die Geburt eines Kindes auf einer Hallig ist immer ein großes, ja fast epochales Erlebnis. So selten dies auch geschieht, so gebührend wird es gefeiert....

Wir sehen, dieser besondere Schlag Mensch, konservativ, wie progessiv, hängt nicht dem nach, was gestern war, sondern lebt im Einklang mit dem, was immer ist. Anders ausgedrückt:

"You have power beyond imagination. Use it well my friend! Don't lose your head." (Sean Connery 1985, Highlander)

 

Jaja, Macht, jenseits der Vorstellungskraft. Den ganzen Pathos - richtig verstanden - sacken lassen. Immerhin soviel: Es gibt sie doch noch, die Leserresonanz, in diesem Falle Leserinnenresonanz via eMail:

"Lieber Heiko,

als ein großer Freund Deiner Kolumne will ich Dich kurz beglückwünschen zu Deinem gekonnt artifiziellen Verbalisierungsvermögen! [1] Bravo!

Allerdings muss ich mich doch sehr wundern, dass Du Böses über den Feminismus schreibst. [2] Wenn alle häßlichen Frauen Feministinnen wären, dann wäre diese Bewegung längst weltbeherrschend. [3] Natürlich sind doch schon ziemlich viele Feministinnen nicht der feuchte Traum eines hormongefüllten Mannes, aber hier möchte ich doch mit Nachdruck auf mehr Differenzierung pochen!!! [4]

Und da Dich der innovative Journalismus interessiert, möchte ich Dich auf eine Kolumne hinweisen, die die Welt nicht brauchte, die mich nicht nur an den Rand des Wahnsinns treibt sondern mitten hinein [5]: Noah Sows neue Kolumne in der EMMA! Nachdem sich die Vorzeigefrauen der EMMA Anke Engelke und Franka Potente wesentlich jüngeren Männern an den Hals geschmissen haben [6] und sehr eigennützige Ziele verfolgen und auch noch Charlotte Roche, die jüngste Hoffnung der Emma, sich der Reproduktion verschrieb, muss Noah Sow ran. Sie schreibt wie sie aussieht - Brechdurchfall. [7]Welche Qualifikation muss man besitzen, um dort veröffentlichen zu dürfen???

Ich lege Dir dieses literarische Kleinod ans Herz, lies es bitte (Bei Rekrutierungsschwierigkeiten dieses Unsinns sende ich gerne eine auf Staatskosten [8] gemachte Kopie!!!)![9]

Herzlichste Grüße

S." [Verfasserin dem Autor bekannt]

 

Anmerkungen:

[1] Schwätz' deutsch! Hey - vielleicht ist das eine Beleidigung?!

[2] Ich habe nur zitiert (siehe auch Jenninger 1988)! Und direkt geschrieben, daß ich mir Bukowskis Meinung nicht zu eigen mache. Was kann man schon von jemandem erwarten, dessen größstes Werk "Das Liebesleben der Hyäne" heißt. So etwas würde ich nie lesen!

[3] Ist sie doch, ist sie nicht ?! ;o) Danke, daß Du mir eine Strompoststeilvorlage für meinen Lieblingskalauer gabst: "Er ist ein Nacho?" "Nein, er war eher ein Anchovi!"

[4] Ich werde mich mit heißem Herzen bemühen, versprochen. Erste Gehversuche auf dem Weg des differenzierten Gedankens findest Du hier in dieser Kolumne.

[5] Chapeau! Sehr gelungene Formulierung! Ich kenne das Gefühl, sich im Auge des Orkans herumzutreiben.

[6] Nicht auszudenken, ich hätte eine solche Formulierung genutzt. Verdammte Harold-und-Maude-Hacke! Und wo bleibt überhaupt die Geschlechtersolidarität?

[7] Chapeau, die 2.! Dafür und zum Dank, schenke ich dir diesen Link!

[8] Uiuiuiuiui! Auf Staatskosten! Ich sage nur "Weniger Staat - mehr netto" - nur damit gewinnt man die Herzen und Wahlen der Menschen!

[9] ...die Ablichtung erreichte mich Mittwoch in meinen heiligen und imposant grossen Hallen. Während der Briefträger mit hängender Zunge in den Südflügel unseres Anwesens hetzte, fuhr Tanja - da ich geschäftlich unterwegs war - gleichermaßen galant wie präsidabel, mit dem kleinen Golfwagen vor (mit dem ich früher die Parade der Füchse abnahm) und nahm das Schreiben in Empfang.

 

 

Wenn ich herausgefunden habe, ob "gekonnt artifizielles Verbalisierungsvermögen" ein Lob ist, also in etwa drei bis vier Wochen, gebe ich dieses hier - alleine für Deine eMail - gerne zurück. Also, LeserInnen: Mehr dieser eMails! Ich bin jung und brauche das Feedback. Es sind künstlerische Kolumnen ;o)

Außerdem: Niemand hat vor, etwas schlechtes oder negatives über den Feminismus zu schreíben - und - ganz bestimmt keine Lügen. Keine dreckigen Lügen! Niemand hat vor, eine Warftmauer zu bauen. Ich entschuldige mich in ganzer Form und -vollendung. Und werde mich auch um mehr "Differenziere" bemühen. Doch wie geht das zusammen? Vielleicht so: "AH Schomberg, was machst Du gerade so?" "Ich arbeite in meiner Freizeit an einem Aufsatz über 'Den vorläufigen Endsieg des Feminismus begreifen. Niederlagen, Siege, Koog und Kogge. Ein bunter Geschichtenkranz um Nordfrieslands außerparlamentarische Opposition'....'ne gekürzte Version werde ich als Essay über 'Kluntje und Geschlechterverhältnis.  Ein Besinnungsaufsatz!' auf den Markt werfen. Und mein Hörspiel 'Kandiszucker sind vergeschlechtlicht!' zeitnah veröffentlichen" "Na, Du hast's ja gut!" Oh, Hallig, Deine Sterne!

 

Um die Borderline des affektierten Pathos nicht abreißen zu lassen, nutzte ich eine Abgegriffenheit, um die Stoßrichtung zu manifestieren. Es geht darum, nicht die Asche des Feuers zu bewahren, sondern darum, die Fackel weiterzutragen. Deshalb:

 

Es gibt eine Neuerung auf Schombergs Welt: Jede Woche werde ich ein ausdrucksstarkes, skurriles oder sonstwie mich beeindruckendes "Wort der Woche" vorstellen. Den Anfang mache ich mit dem Wort....

 

Weichteilrheuma

 

Soweit ich weiß, eine sehr unerfreuliche Angelegenheit und der Schmerz wird alleine schon durch das Wort an sich transportiert!

 

Den Ausgang der Bundestagswahl ("Prrrrrrost, Herr Möllemann!"), möchte ich an die dieser exponierten Stelle unkommentiert lassen, reduziere mich abermals auf mein corpsstudentisches "Unpolitischsein" und zitiere lediglich Rainer Liebrecht:

"Hallo Heiko, könnte man die Dummheit der Deutschen kochen, wäre das Welternährungsproblem gelöst!"

Hmmm, einen Möllemann-Burger?!?! Abwegig. Die Auflösung des Preisrätsels, an dem sich - retrograd betrachtet: gottseidank! - niemand beteiligte, lautete: "Klartext. Mut. Möllemann. Einer wie wir." Grrrrrrrrrrr. "Einer wird wirr.", vielleicht. Er hat btw auf meine montägliche post-Wahl-eMail [auf Anfrage!] immer noch nicht geantwortet.  Nun hurtig + schnell den Tagesgruß entboten, Schomberg.

 

P.S.: Ich habe am Kiosk den Antichristen gesehen: "Fliege - Die Zeitschrift", jetzt auf dem Markt . Dann doch lieber fernsehen, beispielsweise Neun Live. Denn: "Wenn's die Politik schon nicht packt, nimmt sich jetzt der TV-Sender Neun Live dem Problem der Arbeitslosigkeit an. Dort sollen künftig Zuschauer telefonisch bestimmen, wer aus einer Gruppe von Arbeitslosen einen ausgeschriebenen Job bekommt." Medien als vierte Gewalt?! Nee! Eher: Werteverfall on the rocks! Dann lieber "Saufen für die Wissenschaft"! Und wenn ich das nächste Mal zu einem Vortrag á la "Langfristige Trends an den Kapitalmärkten. Ist die Aktie wirklich die attraktivste Anlageform?" eingeladen werde, realisiere ich nicht meine Gewinne, sondern meine Spontantagträume: Unter dem lauten Skandieren von "Volksaktie - Telekom!" ,"Ron Sommer -Wertegott!", "Enron - Ar...löcher!" oder "M-Dax - wir wissen wie Dein Buchwert ist!" werde ich die Einrichtung rocken und denen die Getränkevorräte weg- und leerballern und darüber hinaus einen neuen Rekord im Häppcheneinnehmen aufstellen.

 

P.P.S. Wir müssen uns Schomberg als einen glücklichen Menschen vorstellen.

 

P.P.P.S. Gute Nacht, Deutschland! Guten Morgen, Hallig!