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Depressionen im Februar



Tja, was soll ich davon nur halten?! Tanja's Piercing. Warum wird dieser dämliche Genitiv verwandt? Und welche Einnahmen werden mir vorenthalten? Und warum sollte man Südfrüchte an ungewöhnlichen Stellen piercen?! Das gibt doch prompt braune Stellen und Schimmelbefall. Ich bin da eher für Biercing, das macht richtig Fetz und läßt, auch bei alten Männern wie mir, das Herz höher schlagen. Man, werd' ich in ein paar Jahren ein Hipster sein, wenn ich ohne Metall in der Fresse oder Tatoo einen völlig neuen Modetrend schaffe, den mitzugehen wohl nur noch 4 Prozent der bundesrepublikanischen Bevölkerung im Stande sind....




Aus Richard Brautigans Gedichtband "Die Pille gegen das Grubenunglück von Spring Hill & 104 andere Gedichte", Seite 43.




Jawohl, meine Herren: Hochschulpolitik versus Wählerverhaltensausschnitt . So einfach geht es also: I just called, to say 'Give me a diploma'.... Gewußt wie! Gleich mal in den USA anrufen und sich zum Themenkomplex "Habilitation" informieren. Ich gehöre nicht zu den Menschen, die nicht einer unter einer Millionen Spammails einen gewissen Unterhaltungswert zugestehen.


 

"Gut und groß ist, was beworben

wird."(D. Hägele)

 

Zum donnerstäglichen Frühstück mache ich mir erstmal einen Cholesterin-Tod (In kleine Scheibchen geschnittene feine Bratwurst, scharf von beiden Seiten angebraten, an die Seite der Pfanne gelegt, vier Spiegeleier - sunny side up - etwas geriebene Muskatnuss, Rosenpaprika, viel Salz, noch mehr von dem Ketchup mit den hervorragenden sensorischen Werten aus dem Aldi-NORD). Vielleicht sollte ich diese Morgenspeise nicht Cholesterin-Tod nennen sondern Deutsch-Englische Freundschaft. Damit kann ich es besser am Markt positionieren. Tja, ein komiges Leben führe ich zur Zeit... entweder mit den Lümmeln am Wochenende ballern oder werkstags auf der Kamillenteestation und von 08.00 - 3.00h Konzepte für die Selbstständigkeit erarbeiten. Für die To-Do-Liste notieren: Neue Bratwürste besorgen. Stimmt es, was der intellektuelle Kopf des Corps mir zugemailt hatte: "Fighting for Arbeitsplätze is like fucking for the Rentenkasse!"?? Und was mich völlig runterzieht ist die Aussenpolitik! Da kann ich mancher Corpbruder / Freund / Freund und Corpsbruder Francophilie zutiefst nachvollziehen. Agieren wie vor dem Spiegel, nur an französischen Interessen orientiert - und immer 'ne diplomatische Hintertür auf. Durchaus ergebnisorientiert. Nicht hochmoralisch aber effektiv. Baudelaire als Elitenschulabsolvent - manchmal wird man für diese Vorgehensweise sogar gescholten...

Houellebecq sagte, die Romanform sei erst dann am Ende, wenn der Mensch die Befähigung besäße, geklonte Doppelgänger nicht mehr nur auf dem Papier zu erschaffen! Man erträgt immer nur eine bestimmte Menge an geschnetzeltem Tintenfisch! Genauso steht es um die Verschwendung von Lebenszeit [s.u.]. "Schmerz ist ein Phantom des Verstandes." (Dark Angel) Für's kommende Schlangestehen und unerquickliche Amokeinkäufe werde ich mir einen Klon anfertigen lassen. Jo, righty-right, übrigens, der FAZ entnahm ich, Ally Mc Beal habe jetzt eine Tochter. Hoffentlich wird die nicht auch Hohe Dame bei SV Bulimia! Habe ich eigentlich schon mein Hohelied auf "Richtig leben mit Geri Weibel" gesungen?! Tanja bekam das erste Buch ausgegeben - ich verschlang es und durfte es doch nicht mit Anmerkungen und Notizen übersäen - so das ich mein eigenes - zum Schmieren freigegebenes - Exemplar geschenkt bekam: Martin Suter: "Richtig leben mit Geri Weibel". Die "Neue Folge" ist noch grösser! Lesen, dringend lesen! Und Dank an Bumpf für's prinzipielle "anfixen"! Die Vorstädter (Aggros) in beiden Büchern sind austauschbar - egal ob Zürich, Frankfurt oder München - die Trendsetter (niemals unique!) sind überall gleich. Und der Archetyp des Trends & Lifestyle hinterherhechelnden Geri auch! Wie so manches Mal: Der kreisende Berg hat eine Maus geboren.

Und dann wieder eine der schrecklichen Diskussionen über mein verbliebenes Resthaar. Unerwünschte Dialoge am Morgen:

"Ich glaube, das ist wirklich nur ein Wirbel."

"Nein, das ist eine Glatze!"

"Wirbel!"

"Glatze!"

"Wirbel!"

"Glatze!"

"Wirbel!"

"Glatze!"

"Wirbel!"

"Glatze!" usw. pp. So wogt das Grundschulpingpong hin und her. Ich beende es mit einer erwachsenen und entschlossenen Geste, in dem ich die Augen schliesse, mir die Ohren zuhalte und laut "Lalalalalalala, ich hör' Dich nicht - lalalalala!" singe; ich fühle mich fast wie "Knipsi, der Superheld!"

Nachdem ich mein Theaterprojekt "Ronny, Endstation Beischlafdiebstahl" wieder verworfen habe, werde ich mich einem Undergroundcomic widmen: Knipsi, der Superheld. Eine Geschichte um einen genmanipulierten humanoiden Wilkinsonknipser, der die Superschurken Dosenpfandman und Foreignpoliticswoman mit scharfkantigen Fingernägeln beschiesst!

Nicht nur an meinem "Wirbel" manifestiert sich mein Älterwerden - es wird klar an vielen anderen Details. Ich stelle fest, daß der Generationgraben sehr groß geworden ist. Ich vertreibe mir den Vormittag, in dem ich neben der halbherzigen Arbeit an den Korrekturfahnen meiner Doktorarbeit, Wiederholungen von Talkshows anschaue, besser: anhöre. In einer haben sich grotesk asoziale Menschen versammelt - der Abschaum des intellektuellen Lumpenproletariats. Doch sie geben mir eine Formulierung, die mir gefällt und von der ich glaube, dass sie mich jugendlich und hip erscheinen läßt.

"Ey, Du willst doch nur wissen, was Phase ist!"

Als ich dieses Lernwissen adH anwenden will, antwortet ein 23jähriger Corpsbruder: "Das ist seit fünf Jahren megaout! Das benutzt niemand mehr!" Manchmal bin ich in der Tat der digital-gebackupte Jürgen Zeltinger der Nuller Jahre. Lese zur Zeit viel auf dem Klo, derzeit bevorzugt Richard Brautigans "Die Pille gegen das Grubenunglück von Spring Hill & 104 andere Gedichte"... Lyrik auf dem Klo, soweit ist es gekommen....komm' mit uns, verschwende meine Zeit!

Grenzdebilentruppen in Marburg, Kriegsschauplatz Universitätsverwaltung und meine Lieblingsbäckerei im Südviertel!

Seit 1922 melde ich das Mädchen und mich per Überweisung von meinem Konto an der Uni (nicht: Hochschule) zurück. Dieses Semester übernahm Tanja diesen Part, vermerkte sorgfältig meinen Namen, meine Matrikelnummer, etc. auf dem Überweisungsträger, der sie als Kontoinhaberin auswies. Was seit über 80 Jahren funktionierte, muß nicht immer funzen, nein: klappte diesmal natürlich nicht. Man meldete Tanja zurück. So weit, so ungut. An einem kalten Freitagmorgen um 9.00h mache ich mich auf zum Studentensekretariat. In meinem Alter mag man es, wenn es kalt und trocken ist. Feuchtigkeit ist schlecht für die Knochen, "usseliges" Wetter schlägt auf's rheinische Gemüt. Ich betrete das Gebäude, welches mittlerweile auch den Merchandisingshop der Universität beinhaltet. Will die mir bekannte Tür öffnen, abgeschlossen, Pfeiffendeckel, is'!

Sinnloses Rumgewarte, der Raum ist abgeschlossen, die anderen Wartenden können mir keine befriedigende Auskunft über den Fortgang der Partie geben. Die Univerwaltung verreiszt eine simple Rückmeldung und ich stehe mir die Beine in den Bauch - pures Gift für meine betagte Wirbelsäule.... Auf Nachfrage von mir verkündet der Hausmeister, den ich in seinem Kabuff verhöre, das neue + innovative Vorgehen der Sachbearbeiter (Wer hat diese pfiffige Neuerung angeordnet. Riester?! Gerster?! Rürup?! Bei wem von der Nebelwerfertruppe kann ich mich empört beschweren?!): "Es werden immer zwanzig Studenten reingelassen, dann abgeschlossen, dann werden die abgearbeitet und dann wird wieder aufgeschlossen."

Ich warte eine knappe Stunde bis die Tür sich öffnet. Bin ich nicht Steuermann?! [Nichtgesetzter Link auf Kafkas Procesz.] Wirre Gedanken: "Ein Ring, Buxen zu knechten, sie alle zu finden, ins Pabstat zu treiben und ewig zu binden."

Der Sachbearbeiter (ist es meine Miene?! Ich bin um Freundlichkeit und Fassung bemüht!) pickt mich prompt aus der Gruppe heraus, will mir die Unterlagen sofort aus der Hand reißen, ich kann mich nur mit Mühe beherrschen, ihm fest auf die Finger zu klopfen, ich bringe mein Anliegen stakkatoartig vor und habe ihn spontan intellektuell herausgefordert, wie wir US-Amerikaner sagen... Details der Unterhaltung erspare ich uns hier, nur soviel: Ganz deutsch weist er den Fehler zurück und beschuldigt das Bankinstitut, die Schuld auf sich geladen zu haben, diese Überweisung sei aus diesem Grund auf die Fehlerliste gekommen. Hört, hört! Ist es wieder so weit in Deutschland.... Depressionen im Februar. Man habe ob der unklaren Matrikelnummer, nämlich meiner, Tanja zurückgemeldet, die Internetgebühr werde aber auf mich umgeschrieben. Auf meinen Konter, ob sich das Mädchen jetzt nochmals auf ihren eigenen Namen zurückmelden müsse, damit diese Meldung auf mich übertragen werde, antwortet er mit einem gewehrmaschinenartigen "Ja!". Baudelaire steh' mir bei! Die Luft prickelte von einer Prise offener Feindschaft. Mit den Unterlagen, die nicht mir gehören, nach fünf Viertelstunden, gebeutelt und besorgt ob des Molochs Bürokratie, verließ ich das Gebäude. Geldautomatenversuch im tegut [mißlungen]. Nach dem weiteren Eiertritt "Verfügungsrahmen überzogen!", wanke ich in meine Lieblingsbäckerei, ich lasse mir von der Konjunktur nicht die Wahl meiner Brötchen vorschreiben, Herr Clement!

 

Zum Teil Alkoholiker, zum Teil Drogenabhängige, zum Teil Geistesgestörte, sind sie entweder nicht willig oder nicht in der Lage, irgendwo Schlange zu stehen und sich einzufügen". (Leo Wiegands Artikel über die Obdachlosenszene in Madrid.... ich erwähnte ihn letzte Woche!!!! Nie wieder werde ich die Kassensituation des tegut schmähen!!!! Niemals wieder. Diese Edelfeder war in meiner Haus-und-Hof-Bäckerei!)

 

Das Grauen des Wartens geht weiter, unvermindert hart und brutal. Und ich hoffte schon, die schwarzen Reiter seien müde... Ein älterer Herr aus dem Hinterland ordert seine Gewohnheitsbestellung: "Ein Doppelweck und zwei Schnittbrötchen!". "Hier, bitte schön, 1,24,--". Er gibt der Dame ohne zu murren die verlangte Summe. Dann schaut er sie laaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaange und traurig an, guckt zu mir und meint, "Hmmh, haben Sie heute die Preise erhöht?!" "Wieso?" "Gestern habe ich 1,12,-- bezahlt." Nun brechen alle Dämme, nur die Erziehung, die ich mir für die Nichtcorpsöffentlichkeit bewahrt habe und spazieren trage, sorgt dafür, daß ich nicht sofort zwei Menschen erwürge. "Da haben Sie recht!" Sie tippt alles neu ein, kommt auf 1,08,--, schüttelt den Kopf, tippt und tippt, ihr gelingt es zum Verrecken nicht, auf die gewohnte Summe zu kommen. Ganz undeutsch - ohne Beleg - einigt man sich auf den üblichen "Ein-Doppelweck-zwei-Schnittbrötchen"-Betrag von 1,12,--. "Im Südviertel haben die Hobbits Ärger mit grossen Menschen!", denke ich. Dann bricht sich das wirkliche Grauen Bahn. Nicht literarisch überhöhte zehn Minuten benötigt man, um die Höhe des Restgelds zu berechnen. Der Tanz auf dem Vulkan.... Dann geht es nicht mehr anders: Beherrschung minus Affektdoppelmord. Nach dem Unisekretariatsgenuß liegen meine Nerven blank, freundlich aber mit Nachruf sage ich: "Geben Sie dem Mann sofort 12 Cent! Sofoooooooort! Sonst geb' ich Sie ihm. Ich habe nichts getan. Ich will doch nur fünf Kaiserwecken. Bitte." Meinem Wunsch wird entsprochen bevor das Wechselgeld herausgegeben wird. Mein vorlautes Vorhaben, diese Bestellung um einen Liter H-Milch, 1,5 Prozent Fettstufe zu erweitern, verwerfe ich sofort, ich kann nicht noch einmal 15 Minuten opfern. Ergo: No Milk Today. BTW: "The company was gay" bedeutete damals einfach "die Leute waren jut druff". Paradigmenwechsel sei's Panier!

 

Zeit ist immer die Zeit des sie nicht Habenden! Mit diesem Nullspruch wünsche ich Euch eine schöne Woche, Euer Geopolitiker Schomberg

 

 

 

 

"Im übrigen bin ich der Meinung, daß man Rohrer ein Aktivwerden bei uns gewähren sollte."