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Kulturgut Dosenbier in San Schwabino



 

"Laura Dünnwald ist die legitime Nachfolgerin von Hiltrud Linnemann"

 

... mit dieser bahnbrechenden Feststellung begrüße ich Euch im Jahr 2003! Es ist der Paradigmenwechsel zum Jahrewechsel: Lang lebe die sterile Makellosigkeit von Nebenan! Einige Gedanken zum Neuen Jahr: Meister wird wie immer Bayern München. Die Regierung in Berlin bleibt. Der Dosenpfand macht die Kultur kaputt, siehe auch den Abgesang der WELT auf das Kulturgut Dosenbier vom 31.12.2002, ich zitiere: "Die Dose in Fußballstadien und auf Rockkonzerten. Der Sieg des Dosenpfands ist auch ein Sieg des Neuen Grünen Bürgertums über die volkstümliche Sponti-Tradition. Erst musste Joschka aufhören, die Wampe auf den Fußballplatz zu tragen und zum Leichtathleten Fischer werden. Jürgen hat gelernt, das Rockkonzert zu meiden, um als Herr Trittin Gesellschaftsabende zu zieren. Dann war auch die Dose kein Kulturgut mehr. Kein Gut, das es zu schützen gälte wie die letzten Reste einer basisnahen, bodenständigen und aufrichtigen Volkskultur: den Stadionfußball und die rauhkehlige Form der Rockmusik. Denn beides scheint kaum denkbar ohne Dosenbier. Selbst schärfste Maßnahmen von Staat und Wirtschaft gegen Bierkonsum bei Rock und Fußball waren noch gescheitert an der Dose. Stadiondünnbier! Halb gefüllte Plastikbecher von verhassten Brauereien für den Preis einer Palette Büchsen! So begannen Spiel oder Konzert aus Trotz bereits in Bus und Bahn. Dort saßen gut gelaunte Menschen und begleiteten ihr Singen mit dem Knacken halbgeleerter Dosen. Fortgesetzt wurde der Brauch beim Heimweg: Die muntere Knackophonie zur Regeneration der Arbeitskraft. Das wird es nicht mehr geben. Auch die eindrucksvollen Dosenfelder nicht vor Stadiondrehkreuzen und Mehrzweckhallentoren. Wie in Demut abgelegte Pilgergaben. Nichts macht den Verlust der Dosenkultur deutlicher als jenes weltberühmte Foto von den Sex Pistols. Man sieht vier liebenswerte Rüpel den Verschluss von einer Dose reißen. In der Explosion des Bierschaums werden bürgerliche Hemmungen für alle Zeit hinfortgelacht. Oder das blaue Wunder von Mailand in Mönchengladbach, nie war Fußball tragischer: Borussia hatte 7:1 geführt, als einen Gast aus Mailand eine leere Dose traf und er verschmitzt in Ohnmacht sank. Das Wiederholungsspiel fand ohne Dosen statt und endete entsprechend freudlos. Künftig werden weiter Fußballspiele angepfiffen, Rockkonzerte werden ausgetragen. Aber es wird anders sein." [Der Originalartikel von Michael Pilz]

 

Oder mit einem Bekenntnis von "Galbert" für das Jahr 2003:

Ja, es stimmt: Ich gehörte nicht wie Joschka Fischer dem Widerstand an, ich habe nicht wie Otto Schily politische Gefangene verteidigt, nicht den mutigen Mescalero-Appell unterschrieben wie Jürgen Trittin, nie in einer WG gewohnt und an keinem Häkelkurs für Männer teilgenommen, in meinem Zimmer hing kein Che-Guevara-Poster, und ich habe nie in den larmoyanten und moralinen Nachruf postmaterialistischer 68er auf unsere liberale Demokratie eingestimmt. Insofern mag mein Demokratieverständnis tatsächlich anachronistisch sein: mea culpa! Aber ich vermag nicht nur abstrakt zu differenzieren. Deshalb wiederhole ich: Marginalien interessieren die Geschichte nicht.

 

Das erste "Wort der Woche" im Jahr 2003 ist

 

unbemannte Aufklärungsdrohne

 

Es verdrängte die Kurzworte "Christmasaerobic" und "Lippenherpes" ganz deutlich. "Oder repräsentiert er [Harald Schmidt, HS] nur wieder mal den allerneuesten Zeitgeist à la Müntefering: Weniger polnische Gans, mehr trockene Brötchen?"

 

Laut FAZ vom 21. Dezember 2002 wurde der "Teuro" das Wort des Jahres 2002 vor jeder Menge anderer unbedeutender Worte. Diese Kolumne wird diesmal eher kurz, das zweitägige Fest zum Jahreswechsel adH hat sein Tribut gefordert, deshalb ein paar ältere Gedanken:

 

Ich hatte rund um Weihnachten die Gelegenheit, einige Tage am Niederrhein zu verbringen - mit der nun fast 10jährigen Hessenerfahrung sind mir wieder einige sehr exzentrische Dinge an Mönchengladbach aufgefallen, einer Stadt, die im Haupteinkaufsstraßenbereich aussieht wie Halle / Saale. Und daß es Hotels in Bahnhofsnähe gibt, die "Hotel Berti" heißen - ausgerechnet! Zu meinen Niederrheinbeobachtungen in den nächste Folgen mehr.

 

Gestern für Euch geschrieben, heute ein paar Gedanken aus dem Jahre 1997 - ich muss ein paar Blendgranaten 'rausballern, der Frühschoppen hat mich Jahre meines Lebens gekostet....:

San Schwabino ist wie die russische Puppe, in ihr steckt eine Nation und in ihr ist noch eine und noch eine und man könnte an dieser Stelle bis ins unendliche auffasern. Es gibt die dort beheimateten rustikalen Temperamentvollen, die schwarzen Traditionalisten, begabte Träumer, schwermütig trinkende und leidenschaftliche Tänzer, die nach ihrem Geschmack alle zu selten zum Zuge kommen. So heterogen sie scheinbar wirken, sie alle sind eng miteinander verwoben, nicht auseinander dividierbar, zwar mit abweichenden Interessen und Berufen, doch EINIG in der IDEE ihren Kleinstaates, des pays reél, seines Fortbestehens. Diese classe swaboise ist eingebunden in die Zweckgemeinschaft von geographisch nahen Kleinstaaten, deren gegenseitiges Verhältnis so wechselhaft sein kann wie die große Politik. Diese Arbeitsgemeinschaft kann die klammheimliche Bewunderung für den unaufhörlichen Überlebenswillen nicht verhehlen. Auf Rosen gebettet beobachten sie, wie San Schwabino trotz schwieriger Zeiten blüht, manchmal wächst, immer gedeiht. Es liegt auf der Hand, das man das sucht, was man nicht hat. Sie bewundern das Fehlen der innerstaatlichen Fraktionen, auch wenn ihre Beobachtungsgabe da manchmal getrübt scheint, es kommt immer darauf an, wie der Konsensus verkauft wird. Darin sind sie wirkliche Talente, unsere Schwabinos! Omnipräsenzdiplomaten.

In Zeiten der Bevölkerungsfluktuation, sind es doch nicht immer die Einwanderer, die weiterführen, diese nahezu kinderlose Gesellschaft birgt auch manchmal das Wunder der Geburt in sich, ein Pflänzlein, für das es mehrerer grüner Daumen - und auch schwarzer -bedarf. Die Neusiedler werden genau beobachtet. Doch sind da auch die potentiellen Immigranten, die nach Kurzurlaub mit Bleibeabsicht, dann doch das weite und die Staaten suchen, in denen es sich oberflächlich besser, vor allem bequemer und mit weniger Engagement leben läßt. Zweifelsohne, ist es angenehm, Länder mit endlosen Stränden, glasklarem Meer, einem gigantischen Verteidigungs- und Kulturhaushalt mit nach Hunderten zählenden, betuchten Mäzenen sein Land nennen zu können. Doch häufig genug ist ein L’art- pour- l’ art-Mißbrauch die Folge. Mit vielen Touristen und rauschenden Festen in riesigen Palästen. Doch ist es angenehm zu wissen, das wenige Einwanderer, dafür aber um so mehr, das Gebirge, das soviel Reichtum bereit hält, zu schätzen wissen. Würde das san-schwabianische Beamtengesetz buchstabengetreu ausgelegt - innerhalb eines Jahres müsse der pulsierende Staat aufgegeben werden, und mit ihm ein drittel aller Stadt- und Kleinstaaten seiner Art. Das kann nicht im Sinne der Gründer sein, und deswegen haben die Angestellten und Beamten bezüglich ihrer Dienstdauer eine regelrechte Metzgermentalität entwickelt: JA, ES DARF EIN BISSCHEN MEHR SEIN ! Sie sind dem Gemeinwesen eh engverbunden und dort lautet das Urteil immer lebenslänglich. Doch kurioserweise wird dies nie als Strafe, sondern immer als Belohnung empfunden. Ihr Gott ist Don Quichotte - sie kennen keine REUE! Nicht nur Münchhausen hat sich am eigenen Kragen aus dem Sumpf gezogen. Als Nichtromanist würde ich San Schwabino deshalb mit PURER ENERGIELEISTUNG übersetzen. Oder um den Alten Herren Platon zu bemühen: "Jeder trage die Fackel ein Stück und gebe sie dann einem anderen."

Wenn ich einmal - mit mehr Pathos - alt und gebrechlich einer Kneipe meiner lieben Suevia beiwohne, werde ich euch wieder von der Entwicklung des Gebirgsstaates erzählen. Spekulationen sind aber das trojanische Pferd, vergiftet durch Erwartungshaltung. Für die nächsten dreißig, vierzig Jahre bleibt ihr von der Fortsetzung verschont.

Zum guten Schluß: Wieder einmal erhielt ich eine Leser-eMail, die ich nicht zur Gänze intellektuell erfassen konnte, vielleicht kann AH Stumpf als intimer Pratchettkenner mir mal mitteilen, ob es sich um Lob oder Kritik handelt.... Betreff: Kolumne: "Sehr geehrter Herr Schomberg! Für Ihre Kolumne auf der Schwaben-Homepage möchte ich Ihnen danken. Endlich einmal jemand, der ausspricht, was andere nicht einmal nachts träumen. Irgendwie beschleicht einen beim Lesen der Verdacht, dass Terry Pratchett doch Recht hat, wenn er meint, dass "wir alle nur Artefakte des Schicksals seien". In jedem Fall aber bleibt das Leben tödlich! Weiter so!"

Euch einen guten Jahresbeginn 2003, bleibt sauber, Euer Schomberg.

 

 

 

 

c:\del bloede_kommentare. wg. baukastenkolumne 26 die in 1 1/2 h entstand*