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Deconstructing Mehdorn!



Wann zur Hölle habe ich Hartmut eigentlich so sehr verärgert, das er sich an mir und meinen Mitreisenden pausenlos rächt?! Wann hört dieser kafkaeske Alb denn mal auf?!? Vielleicht sollte ich mal zu ihm fahren und Männchen machen....


"Nicht mehr ganz junge, schöne, feine Menschen sind das, die ihre letzten Kindergeburtstage feiern, sich ein bisschen betrinken, bekoksen, verlieben. Erwachsen werdende Kulturschaffende. Gespenster. Stille Wasser, aber nicht tief. Sie denken über sich nach, aber keinen Zentimeter über sich hinaus. Dass die Welt um sie herum ein bisschen anders geworden ist, dass ihre Lebensform sich nicht wird halten lassen, ahnen diese Mitglieder einer auslaufenden, sich selbst unverwundbar glaubenden Generation nicht einmal." (Elmar Krekeler über Judith Hermanns neuen Roman Nichts als Gespenster in der WELT vom 31.01.2003)

 

 

Diese Kolumne schreibt sich diesmal ganz von selbst! Sie handelt von Tanjas und meinem untauglichen Versuch, innerhalb von 2 Stunden die sibirisch anmutende Riesenstrecke von Mönchengladbach nach Bad Godesberg zu bewältigen. Und alles begann mit dem Sprachdialogsystem...

 

Beutelschneiderei bei der Deutschen Bahn AG - Preludium: Das Sprachdialogsystem!

In Ermangelung eines Internetzugangs bei meiner Frau Mama, wähle ich die Vanitynummer 0800 - 1507090, denn ich möchte eine Verbindung von Mönchengladbach nach Bad Godesberg erfragen, vertraue mich und meine Reiseverbindung dem kostenfreien Sprachdialogsystem [i.W. "SDS"] an. Die Computerstimme begrüßt mich, ich behaupte trotz des Erstkontaktes Kenntnis der Funktion zu haben. "Weiter!" "Abfahrtsort?" "Mönchengladbach!" "Zielort?" "Bonn Hauptbahnhof!".... es funzt nicht! ich versuche dann wahlweise "Bonn", "Bonn-Bad Godesberg", "Bad Godesberg Bahnhof" etc... Der Computer bietet mir u.a. bei "Bonn" einmal die Strecke "Mönchengladbach nach Waren-Muritz", dann als Zielort "Porz-Wahn" an. Dem Wahn bin ich nahe, gebe aber nicht auf und versuche die Maschine zu überlisten! Zweimal höre ich: "Es tut mir sehr leid, da liegt wohl ein Fehler vor. Bitte wählen Sie die 11861." Joooo, so man man auch Umsätze generieren, Herr Mehdorn! Als guter Sturkopf gelingt es mir im sechsten Versuch (sic!) dann doch, das Sprachdialogsystem zur Auskunft über die ungewöhlich-exzentrische Fernreiseroute Mönchengladbach-Bad Godesberg zu bewegen. Und, was passiert: SDS bietet mir penetrant nur eine ICE-Reiseverbindung zwischen Köln und Bonn an. Naja, zumindestens fehlendes Gewinninteresse kann man dem ehemaligen Staatsbetrieb nicht mehr vorwerfen...

 

 

Die Hauptgeschichte: Versuch, nach Bad Godesberg zu kommen.

Mit nur fünfzehnminütiger Verspätung verlassen wir Mönchengladbach Hauptbahnhof. [Bildungsauftragsunterbrechung: Mönchengladbach ist die einzige Stadt der Welt, die über zwei Hauptbahnhöfe verfügt!] Überraschenderweise fährt datt Bummelbähnche' diese Verspätung bis Köln Hbf. nahezu wieder 'raus, der sehr freundliche Schaffner gibt uns eine richtige und wertvolle Reiseverbindungsauskunft, macht einen Two-to-Toulouse-Witz ("Wir haben nur noch sieben Minuten Verpünktlichung", clap! clap!) und übt eine Preiskritik ("Watt?! De' 19.17er in Kölle?! Datt issene' ICE - datt issene' sehr teure' Zuch!"). Die 20 Minuten Aufenthalt in Köln nutzen wir, in dem wir im "Bayrischen Schmankerln-Eck" ein Kölsch einnehmen. Auf zum Bahnsteig, leider, leider, leider soll unser Zug 5 Minuten Verspätung haben. Absolute Peanuts, just, als man sich eine Wartezigarette anzündet, werden durch eine Ansage aus den fünf Minuten direktemang 40 Minuten Verspätung. Wissend das wir das Ziel "19.55h in Bad Godesberg" wohl nicht mehr erreichen können, nehmen wir einen Nahverkehrszug, der uns immerhin bis 20.13h nach Godesberg chauffiert. Die paar Minuten - man ist ja so bescheiden geworden! Und dann bricht das Grauen - unvermindert und überraschend über uns hinein - sein Name sei: Oberleitungsschaden!. Am Hauptbahnhof Bonn werden wir also aus unserem Nahverkehrszug gebeten, es wäre doch nur noch eine verdammte Station gewesen, Kraftausdrücke! Kraftausdrücke!, Bahnfahren ist bedeutungsdeckungsgleich mit Gladbachfan sein: Die Kunst, Leiden zu zelebrieren! Wer will, kann das begreifen! Wer in sein will, muss das begreifen: Mönchengladbach, beim Italiener: "Was ordert die Dame am Nebentisch beim verdutzten Ober? Eine Wasserschorle!? Ein Drittel Sprudel mit Kohlensäure, zwei Drittel stilles Wasser." Raus aus der Möhre, die gelben "Mehr als 60 Minuten Verspätung-Schilder blinken", rein in's "Coffeehouse". Zur Theke, zwei Jever, wenigstens das. Tausend Reisende brüllen mit 200 Phon ihre Verspätungen oder Evakuierungswünsche in ihre Mobiltelefone. Ferien in Bad Endzeit, draussen beginnt ein Schneesturm. Jetzt wären Tanja und ich mit zwei Taun-Tauns besser bedient... hätte, könnte, sollte: Zwangsaufenthalt in der Bundesstadt, überforderte Bahnmitarbeiter rufen eine Viertelstunde einander widersprechende Informationen in ihre Mikros, bis das Urteil fällt: "Aufgrund eines Oberleitungsschadens verkehren keine Züge mehr Richtung Köln und Richtung Koblenz. Jetzt hätte ich gerne die Macht, die Selbstzerstörung auszulösen: Doch wie hiess es so schön in STAR TREK 10 - Ihr Stahlarbeiter Amerikas, strebt weiter nach dem Regenbogen: Die Selbstzerstörung ist defekt.

Alle Fristen gehemmt, innere Ruhe kehrt ein ob des Wissens, nichts tun zu können. Oberleitungsschaden - ein Wort wie ein Tritt in's Genital!

 

Zwangsaufenthalt im Coffehouse zu Bonn

Sitzen im Coffehouse, einige Exzentriker bestellen sich dort Cappuccino und Latte Macchiato - brrrrrr - eine Unverfrorenheit, die es eigentlich zu ahnden gilt! Nur gut, dass wir die nachmittägliche Bombendrohung nicht mitbekommen haben, denn da wurde auch dieser gastliche Ort geräumt! Was habe ich Mehdorn getan?! Und wenn der Oberleitungsschaden in Bad Godesberg ist: Warum fahren wir nicht bis dahin und werden auf irgendein Nebengleis gefahren?! Fragen über Fragen... "Die Ankunft ist auf unbestimmte Zeit verschoben!" An einem Nebentisch sehe ich ein paar Reisende, die locker als el-Quaida-Ortsgruppe Bonn durchgehen könnten. Schlafe, schlafe nur ein Weilchen... dann kommt Mehdorn auch zu Dir, mit dem kleinen Hackebeilchen, macht er einen Pendler aus Dir... 21.05h mit anderen Mitreisenden werden die ersten Verschwörungstheorien ausgetauscht, einer der ortansässigen Gewohnheitstrinker hat eine Glücksträhne und erhält eine Auspielung an einem Automaten nach der anderen - davon gönnt er sich einen "Strammen Max" - vermutlich seine erste feste Nahrung in dieser Woche...

Einander widersprechende Meldungen machen weiterhin die Runde, der Fernverkehr wird über Bonn-Beuel umgeleitet, Fahrgäste (m/w) für den ICE nach Nürnberg werden zu den Taxen befohlen, um irgendwie zu versuchen, innerhalb von 5 Minuten auf die andere Rheinseite zu kommen... Sysiphos war ein glücklicher Mensch! Schule hat begonnen! Wirre Gedanken durchfluten mich: Warum werde ich nicht Polohooligan?! Mit einem argetinischen "La Marina"-Awaytrikot treibe ich mich dann zu Polotunieren auf der Aussenalster 'rum und trinke meinen Schaumwein nicht aus Kristallgläsern sondern aus Pappbechern. Ja, ich schwöre: Wenn wir noch länger hier feststecken, werde ich Polohool! Da wir nicht wussten, wer wo & in welchen rheinischen Gemeinwesen steht, um uns abzuholen, entschieden wir uns für's Warten. Nach weiteren 40 Minuten kam der Anruf und ich evaluierte einen Weg nach Wachtberg-Pech.

Nach der kruden Mischung aus U-Bahn und Taxinutzung haben wir um 22.15h unser Ziel erreicht! Entkräftet nehmen wir ein paar Hühnchentaler (dt. für "Chickenchips") und Bitburger ein.

 

-Finis-

 

Epilog: Rohrers Nachtlektüre

Passend dazu die eMail von Rohrer "Meine Nachtlektüre sei nun Deine Frühstückslektüre", ich zitiere: [...] "beim Lesen meiner Nachtlektüre, derzeit Alain de Botton, „Kunst des Reisens“, (Die Originalausgabe erschien 2002 unter dem Titel >The Art of Travel< bei Hamish Hamilton, London) , stolperte ich auf eine schöne Ansammlung von Zitaten des Gustav Flaubert, die mit Sicherheit auch in Deine Zitatensammlung gehören sollten. Deswegen erlaube ich mir sie Dir mit den Einleitungsworten von Alain de Botton zu übersenden. Viel Spaß mit dieser Frühstückslektüre und mit den besten Wünschen, Rohrer."

 

Fortschrittsglaube, Technikbegeisterung

EISENBAHN Von dieser Erfindung schwärmen und sagen: "Also, mein Lieber, ich sage ihnen, heute morgen bin ich mit dem Zug nach X gefahren, dort habe ich meine Geschäfte erledigt usw., und um X Uhr war ich schon wieder zu Hause!"

 

ABSINTH Ultragefährliches Gift - nur ein Glas, und Sie sind tot. Journalisten trinken ihn, wenn sie ihre Artikel verfassen. Hat mehr Soldaten umgebracht als Beduinen!

 

Sentimentalität

[...]

 

KOMMUNION Erstkommunion: Der schönste Tag im Leben.

 

INSPIRATION Dinge, die sie hervorrufen: Natur, Frauen, Wein.

 

ILLUSIONEN Vorgeben, einen ganzen Haufen gehabt zu haben. Bedauern, sie alle verloren zu haben.

 

KOPULATION - KOITUS Diese Wörter vermeiden. Statt dessen sagt man besser: "Sie hatten ein intimes Verhältnis."

 

Ich wünsche Euch ein schöne Woche, uns eine schöne Abschlusskneipe und mir drei Punkte auf dem Betzenberg, Euer Schomberg.

 

P.S.: Lieber Carl, ab jetzt keine proto-sozialdemokratischen Scherze - am Rande der Weltrevolution - mehr!

Es sei denn, Ihr könnt mir folgende Frage beantworten: "Was ist ein Burruchaga?". Einsendungen per eMail bis nächsten Freitag, 14.02.2003, 08.04 Uhr! Der bahnbrechende Gewinn: Eine Erwähnung in meiner Kolumne (Rot / Schriftgrösse 4)!!!!

 

P.P.S.: Schnulli hat Geld. Mehdorn hat Schneid. Sander macht mit!