Start / AktuellesInfothekInternKontakteSuchen 
Start / Aktuelles
Schombergs Welt
Ausgaben 1-20
Ausgaben 21-40
Ausgaben 41-60
Ausgaben 61-80
Ausgaben 81-100
Ausgaben 101-120
Ausgaben 121-140
Mein WM-Tagebuch
Ausgaben 141-160
Ausgabe 141
Ausgabe 142
Ausgabe 143
Ausgabe 144
Ausgabe 145
Ausgabe 146
Ausgabe 147
Ausgabe 148
Ausgabe 149
Ausgabe 150
Ausgabe 151
Ausgabe 152
Ausgabe 153
Ausgabe 154
Ausgabe 155
Ausgabe 156
Ausgabe 157
Ausgabe 158
Ausgabe 159
Ausgabe 160
Ausgaben 161-180
Ausgaben 181-200
Ausgaben 201-220
Ausgaben 221-240
Ausgaben 241-260
Ausgaben 261-280
Ausgaben 281-300
Ausgaben 301-320
Ausgaben 321-340
Ausgaben 341-360
Ausgaben 361-380
Ausgaben 381-400
Ausgabe 401
Ausgabe 402
Ausgabe 403
Ausgabe 404
Ausgabe 405
Ausgabe 406
Ausgabe 407
Ausgabe 408
Ausgabe 409
Ausgabe 410
Ausgabe 411
Ausgabe 412
Semesterprogramm
Fotogalerie
Neuigkeiten
Infothek
Intern
Kontakte
Suchen

Das Wintermärchen: Brandball regelt!

These:

"Schomberg, für dich muß man auch nur´n schwarz-rot-goldenes Schildchen draufbappen, und du fängst blind an, zu jubeln. Guckt das ganze Jahr kein Handball, aber wenn "wir" im Viertelfinale im eigenen Land stehen, dann isses "geil". Kein Unterschied zu den Fußballmodefans im Sommer."

 

Antithese:

Empörend, dass mir soviel Unverständnis entgegenschlägt. Ich hätte wie Johannes Norbert Henning Adalbert Christian Schwarzer als Methusalem den Pokal hochhalten können. Hätte - ja, wäre meine eigene Handballkarriere nicht so furchtbar kurz gewesen! Und, ja, ich habe Handball geschaut, wie Frauen früher Fußball guckten. Mit einem seit 26 Jahren nicht aufgefüllten Regelkenntnisportfolio aber voll Faszination für diese fremde, schnelle Welt! Oder wie Wagner es ausdrückte: Handball ist toll.

 

Alleine schon das Halbfinale war pures Adrenalin und verstünde ich was von Handball, vermutlich so ein Jahrhundertspiel wie Deutschland-Italien bei der WM 1970! Ich konnte am Tag des Halbfinales nach der Arbeit kaum mit dem Auto nach Hause fahren und mich auf den Verkehr konzentrieren, da mich die Liveübertragung so ablenkte; habe dann irgendwann 'ne Old-School-Audio-Cassette in das Tapedeck reingeschoben, um überhaupt unfallfrei nach Hause zu kommen. Die Radioberichterstattung lenkte zu sehr ab.

 

Und zu Hause angekommen, die Tür aufgerissen, den Fernseher angestellt, mit offenem Munde, vor Begeisterung sabbernd, noch in der Jacke, das Ende des Spiels geguckt. Hin und her getigert, rumgelaufen wie Falschgeld.

 

"Hey Anja, geilo, wir haben es noch in die Verlängerung geschafft!"

 

"Und, wie lang' dauert die?"

 

"Kei' Ahnung! Ich glaub', zweimal fünf Minuten! Oder einmal zehn. Woher soll ich das denn wissen!"

 

Hüben wie drüben ging es ab - atemlos und im Stehen die zwei Verlängerungen geguckt. Ich habe ja kein Auge für den Sport und sehe immer jede Pocke drin, unmotiviert Dinge wie "Hau' ihn rein!" oder "Henning!" gerufen (manchmal auch "Blacky", der ist ja der einzige in meinem Alter ;-)). Und war kaum zu halten in den letzten drei Sekunden. Es war einfach super! Ich glaube, wenn man was von Handball versteht, fand man das noch größer. Ich wusste es: Am Sonntag sind wir alle HANDBALL!!!!

 

Spiegel - online schrieb zum Halbfinale und der Begeisterung: "Auch eine Stunde nach dem Krimi gegen den amtierenden Europameister kannte die Freude rund um die Arena keine Grenzen. Immer wieder fielen sich fremde Menschen mit Deutschland-Fahnen in die Arme, einige Anhänger lagen im Regen auf dem nackten Beton und stürzten das Kölsch aus riesigen Plastikbechern hinunter. Hupkonzerte begleiteten das Spektakel, das ein wenig an vorweggenommenen Karneval erinnerte."

 

Worauf böse Zungen Teile des Artikels herausnahmen und behaupteten: "'Anhänger lagen im Regen auf dem nackten Beton und stürzten das Kölsch aus riesigen Plastikbechern hinunter.' Normalerweise ist da nicht nur der Beton nackt. Normales day in day out-behaviour auf dieser Seite des Flusses..." Dann, während des Finales, beim Stande von 9:4 für Deutschland, kurz über meine Hallenhandballkarriere vor 26 Jahren nachgedacht.

 

Einschub: Meine Hallenhandballkarriere 1981

Durch einen guten Freund angestiftet, widmete ich mich im Alter von zehn Jahren nicht nur dem Fußball, sondern wurde auch zum Training des TV 1848 Mönchengladbach mitgeschleppt. Das Training war hart, die Regeln waren mir unverständlich. Nichtsdestotrotz wurde ich - noch ohne Spielerpass - in einem Freundschaftsspiel eingesetzt. So 10 Minuten.

 

Aus dem Fußball kannte ich die Möglichkeit, wenn nichts mehr geht, den Ball zum Torwart zurück zu spielen. Das ist verboten im Handball und wird, wenn der Torwart im Siebenmeterkreis steht, mit einem Siebenmeter geahndet. Wusste ich nicht.

 

Und dann kamen auf einmal diese großen, dicken, subjektiv 2 Meter langen Übermenschen-Kinder auf mich zu, als ich mit der Pocke so 5 Meter vor dem Kreis stand, dem eigenen.

 

Ich wusste keine andere Lösung, drehte mich um und kam mir vor wie in der Zeitlupe einer US-amerikanischen Sportkomödie: Die ganze Halle, alle zehn Zuschauer, rufen "Nein! Nein! Nein!", die dicken Kinder kommen näher, der Torwart ruft "Nicht!" und winkt ab, das Getrampel wird lauter, ich werfe ihm aufreizend langsam den Ball zu: Siebenmeter.

 

Klar, dass ich die nächsten Spiele auf der Bank saß.

 

Nachdem ich mich also vier Wochen mit den Regeln auseinandersetzte, aber Handball immer dööfer fand, da das Training deutlich anstrengender war, als das, was bei Rot-Weiss Venn gegeben wurde, gab mir der Trainer eine neue Chance: "Weißte jetzt, wie's geht?" "Ja!".

 

Und dann, es war ein Ligaspiel, auch meine ganze Patchwork-Familie war auf der Tribüne, ich habe sogar, keiner weiß mehr wie, 'ne Bude geworfen, kam mir vor wie Graf Koks, ja dann passierte es:

 

Ich lungerte an der Mittellinie rum, Raumdeckung ist was für Schwächlinge, ein Tempogegenstoß der anderen Mannschaft, der gegnerische Stürmer hat schon sehr viel Vorsprung und ist mit Ball natürlich schneller als ich, ich hetzte wie Karl Napp hinterher, er nähert sich dem Wurfkreis, ich habe keine Chance mehr, ihm in den Arm zu greifen, unser rothaariger Torwart macht den Hampelmann und ich entsinne mich meiner profunden feldfußballerischen Ausbildung und lege ihn von hinten via langem Bein - na eher so 'ne Art Indoor-Blutgrätsche - um und er hat so viel Schwung, dass er im Tor landet - nach zwei Metern Sturzflug durch die Halle.

 

Der Schiedsrichter, in der D-Jugend gibt es keine roten Karten, erklärt mir, dass ich zum Brausen gehen kann, eine Sitznachbarin meiner Mutter meint nur "Was für ein brutales Kind" und ich beendete nach insgesamt 20 Spielminuten meine Hallenhandballkarriere.

 

Synthese: Wir sind Weltmeister!

BRANDBALL!!!! Schee war's! Umgedrehte Bürger-King-Krönchen in Gold angesprüht samt Oberlippenbehaarung = Weltmeisterlich! Wer rasiert, verliert! Die Trophäe ist zwar unglaublich häßlich, dagegen ist der Davis-Cup ein schöner Pokal, aber Hauptsache, "wir" hamm' ihn! Dieser Pott sieht ein wenig aus wie Rodin auf schlechtem Speed oder Barlach nach mißlungenen Valiumexperimenten... Und der Pokal ist nicht nur häßlich, sondern auch noch 30 Kilo schwer, so das sich de' Gummersbacker Jong auch noch 'ne Beule holte ("Ich war wohl nicht mehr in der körperlichen Verfassung, die schwere Trophäe zu stemmen. Aber ich werde es überleben", Heiner Brand zu SPON).

 

Und anders: "Hier und da ein kleines Hupkonzert, mal ein Motorradfahrer, der enthusiastisch eine Deutschlandfahne schwenkt, mal ein paar Menschen, die singend durch die Straßen wandern. Die Kneipen sind voll, die Laune ist gut, aber der Stress bleibt aus. 'Wenn das Fußball wäre, wäre hier schon die Hölle los, und wir müssten den Ring sperren', sagt einer der Beamten und kreuzt die Arme entschlossen vor der Brust. Bei aller Freude, ist eben doch nur Handball." Mein Reden. Diese Wintermärchen-Kolumne noch hochgeladen und dann: Kampf dem Kartoffelkäfer!

 

Bei aller Freude für die Jungens, trotz der netten Bilder, konnte ich das "weinende Auge" nie trocknen - ständig die Überlegung, welche Bilder im Sommer möglich gewesen wären....